Im Zuge weiterer Maßnahmen im Zusammenhang mit der europäischen Klimapolitik wird es für den Wohnimmobiliensektor in den kommenden Jahren zu zusätzlichen Verpflichtungen kommen. Die Brüsseler Bürokraten planen unter anderem höhere Mindeststandards sowohl für Neubau wie Bestand, eine Pflicht zum Solar-Dach, weitere Vorgaben zu erneuerbaren Energien und ein EU-Emissionshandelssystem für Wärme. All das und wahrscheinlich noch mehr wird sowohl von der Europäischen Union als auch der Bundesregierung angestrebt.
Bisher hielt sich die Politik zu Vorgaben beim Klimaschutz von Wohngebäuden zurück. Gerade vor dem Hintergrund der Mietsteigerungen der letzten Jahre sollten keine zusätzlichen Kosten verursacht werden. Jetzt scheint der Gesetzesgeber enormen Tatendrang zu verspüren. Häufig wird nicht so heiß gegessen wie gekocht wird, doch der Vorstandsvorsitzende der Vonovia, Rolf Buch, warnt bereits, dass die Ankündigungen ernst zu nehmen wären, da die Politik aufgrund des öffentlichen Drucks zur Handlung gezwungen wird.
Die Gebäuderichtlinie der EU-Kommission (EPBD: Energy performance of buildings directive) sieht eine Einteilung sämtlicher Wohngebäude in ein Effizienzklassensystem von A bis G vor. Dabei erfüllen Gebäude der Klasse A das Kriterium, überhaupt keine Emissionen zu produzieren, während Gebäude der Klasse G per Definition zu den schlechtesten 15 Prozent des Gesamtstocks zählen. Alle übrigen Gebäude sollen gleichmäßig auf die übrigen Klassen aufgeteilt werden. Bis 2030 sollen dann die Mitgliedsländer dazu verpflichtet werden, die Gebäude der Klasse G zu sanieren. Bis 2033 sollen keine Gebäude mehr in eine Klasse unter E fallen. Für Deutschland bedeutet das, dass in den nächsten ca. zehn Jahren von den 19,3 Mio. Wohngebäuden hierzulande rund 6 Mio. energetisch saniert werden müssen.
Geplant ist, dass die Staaten in Renovierungsplänen erklären sollen, was erwartet wird und wie dadurch die entsprechenden Klimaziele erreicht werden können. Bis Mitte 2025 sollen entsprechende Dokumente erarbeitet werden. Anschließend möchte die europäische Kommission prüfen, inwiefern die Vorschläge dazu beitragen, bis 2050 klimaneutral zu werden.
