Die politischen Vorgaben zur Sicherung der Gasversorgung sehen keine Bevorzugung von Einzelhandelsimmobilien vor. Insbesondere große Flächen, wie Einkaufs- oder Fachmarktzentren, werden damit vor eine große Herausforderung gestellt. Wenn der Brennstoff knapp wird, müssten die Kunden frieren. Entsprechend wird es zu einer immer wichtigeren Frage für entsprechende Betreiber, wie mit der akuten Energiekrise umzugehen ist.
Das Management von Völkel Real Estate macht sich genau zu diesem Thema Gedanken. Eigens dafür wurde eine Taskforce ins Leben gerufen, die einen Maßnahmenkatalog für entsprechende Objekte vorbereiten soll. Völkel Real Estate kümmert sich selbst um die Verwaltung solcher Assetklassen. Insgesamt handelt es sich dabei um 20 verwaltete Objekte in Deutschland in Form von Shopping-Centern und Fachmarktzentren. Hinzu kommen noch einmal weitere Objekte anderer Nutzungsarten wie Retail, Office und Logistik.
Das durch Jürgen Brunke gemanagte Center in Göttingen steht für Völkel als Vorbild der Umsetzungen der eigenen Maßnahmen zum Einsparen von Energie. Das Fachmarktcenter ist 1998 gebaut. Es verfügt über eine Breeam-Zertifizierung. Die meisten durch die Taskforce identifizierten Maßnahmen sind bereits umgesetzt, oder befinden sich zumindest in der Umsetzung. Bei der Beleuchtung wurden bereits rund 90 Prozent zugunsten von energiesparenden LEDs ausgetauscht. Im Außenbereich handelt es sich dabei konkret um 20 Laternen, die bisher mit je zwei Halogenlampen à 300 Watt leuchteten. Nach dem Austausch strahlen nun 40-Watt-LEDs. Aufs Jahr gerechnet, können damit Stromkosten in Höhe von ca. 6.000 Euro gespart werden. Dafür jedoch auch ein Investitionsaufwand in Höhe von 30.000 Euro erforderlich.
Deutlich mehr beim Strom ließe sich noch mit dem Einsatz von Photovoltaik sparen. Völkel berechnet, dass eine komplette Überdachung sämtlicher Parkplätze mit Solarmodulen rund 70 Prozent des gesamten Strombedarfs der Fachmarktzentren abdecken würde. Bei den Heizkosten setzt Völkers auf die Bündelung von Versorgerverträgen. Beim Einsparen könnte jedoch noch einiges bewegt werden. Schließlich handelt es sich dabei um Maßnahmen, die auch bei normalen Wohnhäusern oder Doppelhaushälften zum Einsatz kommen. Rohre könnten etwa besser gedämmt, alte Umwälzpumpen ausgetauscht und die Vorlauftemperatur beim Heizwasser abgesenkt werden. Ein Grad Celsius weniger bringt 6 Prozent Ersparnis. Weitere Maßnahmen umfassen regelmäßiges Warten der Heizungen, nächtliches Lüften sowie das Schließen von Fenstern tagsüber.
Generell könnte bei der Optimierung der Gebäudeleittechnik (GLT) noch einiges drin sein. Das wird jedoch vor allem nur mittel- und langfristig eine Rolle spielen können. Die meisten Center nutzen nicht die besten technologischen Lösungen, um ihren Energiehaushalt zu optimieren. Beispielsweise kann moderne Steuerungssoftware mittlerweile flexibel auf das herrschende Wetter und die Gesamtanzahl der Besucher im Center reagieren und entsprechend die Luftmengen oder die Zu- und Ablufttemperaturen anpassen. Die Software-Schmieden versprechen 10 Prozent bis 30 Prozent Einsparpotenzial. In Berlin wurde erst am Shoppingcenter Das Schloss eine GLT-Optimierung durchgeführt, die bereits im ersten Jahr 15 Prozent einsparen konnte. Neben immer besseren technologischen Lösungen kommt es jedoch auch auf die Willigkeit der Center-Betreiber ein, den entsprechenden Aufwand hereinzustecken.
