An mangelnder medialer Präsenz wird das Projekt des Metaverses sicherlich nicht scheitern. Mittlerweile sind auch die ersten Handels- und Konsumgüterunternehmen dabei, den Einsatz zu testen. Manager in wichtigen Entscheidungspositionen aus deutschsprachigen Handelsunternehmen wurden durch das Kölner EHI Retail Institute nach ihren Einschätzungen befragt. Das Ergebnis ist in der veröffentlichten Studie „Metaverse im Handel“ im Auftrag des US-amerikanischen Software-Entwicklers und IT-Dienstleisters Epam zu lesen.
Dreivierteil der Befragten sehen in einer potenziellen nächsten Evolutionsstufe des Internets interessante Möglichkeiten für neue Anwendungen. Ungefähr 60 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass sich das Metaverse durchsetzen wird. Philipp Hübner, Projektleiter Forschungsbereich E-Commerce beim EHI, kommentiert entsprechend: „Der Handel hat sich positioniert: Sechs von zehn Befragten glauben, dass das Metaverse sich durchsetzen wird. Die Bedeutung innerhalb der Handelsunternehmen wird vermutlich in den nächsten fünf bis zehn Jahren zunehmen“. Die Studie prognostiziert, dass bereits in fünf Jahren jedes vierte Handelsunternehmen Investitionen in Angebote im Zusammenhang mit dem Metaverse tätigen wird.
Schaut man genauer hin, zeigt sich jedoch auch Skepsis. So berichten etwa 78,1 Prozent der Befragten, dass sie zwar selbst etwas mit dem Begriff anfangen könnten, jedoch erklärten gleichzeitig 71,5 Prozent, dass das Thema in ihrem Unternehmen noch gänzlich unbekannt ist. Während zwar 59,7 Prozent glauben, dass sich das Metaverse durchsetzen wird, halten 20,3 Prozent vehement gegen diese Einschätzung. Der Rest ist sich unsicher. Bei der Frage nach der Relevanz für den Handel kommen noch einmal stärker polarisierte Ergebnisse zustande: 40,8 Prozent glauben, dass das Metaverse den Handel für immer verändern wird, wohingegen 34,9 Prozent das Gegenteilige für richtig halten.
Bei all den Spekulationen über die künftige Relevanz ist eines jedoch sicher. Diese Relevanz existiert, wenn überhaupt, heute noch nicht. 96,1 Prozent der Befragten halten die heutige Bedeutung des Metaverses für zu gering, als dass es eine Auswirkung auf ihr Handelsunternehmen hätte. Etwa ein Fünftel glaubt, dass sich das über die nächsten fünf Jahre ändert und fast die Hälfte geht davon aus, dass das in den nächsten zehn Jahren geschehen wird.
Der vorrangige Nutzen des Metaverses wird vor allem für Marketing & PR gesehen. Ferner stellen sich einige Befragte vor, dass bisherige Marketing- und Omnichannel-Strategien durch digitale Verkaufsräume ergänzt werden könnten. Branchen, für die eine solche Strategie insbesondere infrage kommen könnten, sind etwa Mode und Accessoires, Möbel und Einrichtung, Freizeit und Elektrofachhandel.
Schlussendlich zeigt die Umfrage eine Neugier und Offenheit des Handels gegenüber dem Metaverse an. Insbesondere Internethändler und Plattformbetreiber sollten die Augen offen halten, da sie ihre Konzepte und Vorteile unter Umständen bald deutlicher kommunizieren müssen. Schließlich würden sie in dem Falle einer Durchsetzung des Metaverses mit direkten digitalen Shop-Lösungen konkurrieren müssen.
Bis es so weit ist, wird aber noch einiges an Zeit vergehen. Es existieren noch keine Angestellten im Handel mit dem notwendigen Fachwissen, sowie auch noch keine bis kaum Konsumenten vorhanden sind, die für eine neue Generation des Internets bereit sind. Auch die technischen Grundvoraussetzungen sind noch eher auf wackeligen Beinen. Dazu kommen noch recht hohe Preise für die benötigte Hardware, wie VR-Headsets. Vorerst rät das EHI interessierten Handelsorganisationen Ideen und Erfahrungen auszutauschen und unabhängig davon gilt es wohl als eine gute Idee, die weitere Entwicklung interessiert zu beobachten.
