Wasgau forciert Smart-Store-Offensive in ländlichen Regionen

29. August 2025 - Der Pfälzer Lebensmitteleinzelhändler Wasgau bereitet sich auf die Einführung eines neuen, unbemannten Store-Konzepts vor, das gezielt auf ländliche Standorte ausgerichtet ist. Mit dem Format „Wasgau 24“ will das Unternehmen die Nahversorgung in strukturschwächeren Gebieten sichern und gleichzeitig sein Filialnetz effizient ausbauen.

Quelle: Wikimedia Commons

Nach Unternehmensangaben intensiviert Wasgau derzeit die Gespräche mit Kommunen im eigenen Vertriebsgebiet, um geeignete Standorte für die ersten Smart Stores zu identifizieren. Das neue Ladenformat ist Teil der übergeordneten Wachstumsstrategie des regional tätigen Filialisten, der aktuell rund 70 Super- und Verbrauchermärkte in Rheinland-Pfalz und im Saarland betreibt. Ziel ist es, auch dort Präsenz zu zeigen, wo klassische Supermärkte wirtschaftlich nicht tragfähig wären.

Bereits vor einigen Jahren hatte Wasgau mit „Wasgau Mini“ ein bemanntes Kleinflächenkonzept getestet. Aufgrund unzureichender Ergebnisse wurde dieses Modell jedoch nicht weiterverfolgt. Nun setzt der Händler auf eine digitalisierte, personalreduzierte Variante: Die neuen Wasgau-24-Stores sollen rund um die Uhr geöffnet sein und mit Self-Checkout-Technologie betrieben werden. Personal kommt lediglich für die Warenverräumung und Reinigung zum Einsatz.

Das Format ist modular aufgebaut und lässt sich flexibel an unterschiedliche Standortgegebenheiten anpassen. Geplant sind drei Größenklassen:
– Kompaktversion mit ca. 50 Quadratmetern und einem Sortiment von bis zu 600 Artikeln
– Standardvariante mit rund 100 Quadratmetern und maximal 2.000 Artikeln
– Großformat mit ca. 300 Quadratmetern, das Raum für zusätzliche Serviceangebote wie Bedientheken im Teilzeitbetrieb bieten soll

Wasgau will die Smart Stores sowohl in Neubauten als auch in vorhandene Gebäude integrieren oder alternativ als Containerlösung realisieren. Laut dem Unternehmen befinden sich zahlreiche Standorte in Prüfung, und die Rückmeldungen aus den Kommunen seien vielversprechend.

Der erste Store dieser Art soll im „Schuhstadtcenter“ in Pirmasens eröffnen – vorbehaltlich der Fertigstellung des dortigen Neubauprojekts noch im laufenden Jahr. Ab 2026 plant Wasgau einen beschleunigten Rollout des Formats. Geschäftsführer Thomas Bings kündigte an, mittelfristig fünf bis zehn neue Wasgau-24-Standorte pro Jahr realisieren zu wollen.

Damit positioniert sich der Händler frühzeitig in einem Marktsegment, das bundesweit an Relevanz gewinnt. Nach aktuellen Erhebungen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) existieren bereits über 700 sogenannte 24/7-Smart Stores in Deutschland – etwa 300 davon mit explizitem Fokus auf die Nahversorgung im ländlichen Raum. Im Kerngebiet von Wasgau, Rheinland-Pfalz, sind bislang lediglich elf solcher Standorte verzeichnet – vergleichsweise wenige, was der Händler nun ändern möchte.

Mit dem neuen Konzept verfolgt Wasgau einen doppelten strategischen Ansatz: Einerseits wird die Versorgung in strukturschwachen Regionen verbessert, andererseits kann das Unternehmen sein Vertriebsgebiet ausbauen, ohne aufwändige Personalstrukturen oder hohe Investitionen in klassische Märkte tätigen zu müssen. Die Umsetzung unbemannter Store-Lösungen stellt somit einen zukunftsorientierten Baustein innerhalb der Gesamtstrategie dar.