Ob es um die fehlende Butter für das Sonntagsfrühstück geht oder um die Lust auf Nudeln mitten in der Nacht - die rund 2.500 Mieter:innen in der Vonovia-Wohnanlage in der Lorzingstraße im Münchner Westen können nun notwendige und weniger notwendige Dinge rund um die Uhr im Quartiershop besorgen. Der 24-Stunden-Supermarkt befindet sich in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Bäckerei und funktioniert vollständig ohne Personal.
Im Verkaufsraum, der etwa 10 Quadratmeter groß ist, stehen zwei Automaten zur Verfügung, an denen die Kunden aus einer Auswahl von mehr als 200 Produkten wählen können. Das Angebot reicht von gekühltem Bier und anderen Getränken über Brotaufstriche und Knabberzeug bis hin zu Tiernahrung, Zigaretten und Hygieneartikeln. Die Produkte stammen aus vollautomatisierten Schränken in einem dahinterliegenden Raum, der etwa 50 Quadratmeter groß ist. Die Bezahlung erfolgt per EC- oder Kreditkarte, und auch die Abrechnung über eine Quartiersapp ist möglich, wie Markus Belte, Geschäftsführer von Latebird, erklärt. Latebird liefert die Technologie für den Automatensupermarkt. Normalerweise werden solche automatischen Shops von Tankstellen und Supermarktketten betrieben. Die Mindestgröße für die Automaten beträgt 36 Quadratmeter, alternativ können auch Container aufgestellt werden, so Belte.
Der Standort in München ist neben dem vollautomatischen Supermarkt in der Libori Galerie in Paderborn der einzige Shop, den Latebird selbst betreibt. Dies geschieht, um Erfahrungen zu sammeln, wie Belte erklärt. In den kommenden Wochen wird getestet, welche Produkte in welchen Mengen nachgefragt werden. Die Anlage kann bis zu 650 Produkte bereitstellen, obwohl normalerweise maximal 250 verschiedene nachgefragt werden, wie Belte aus Erfahrung weiß.
Latebird ist für den Betrieb, die Warenanlieferung und das Sortiment verantwortlich, während Vonovia die Flächen zur Verfügung stellt. Michael Plum, Vonovia-Regionalleiter für München, erklärt, dass die Einkaufsmöglichkeit Teil des Serviceangebots von Vonovia ist. Für die Bewohner der rund 700 Wohnungen gibt es keinen Supermarkt in direkter Nähe. Plum betont, dass der Quartiershop den Einzelhandel nicht ersetzen, sondern bestehende Angebote ergänzen und Lücken in der Versorgung schließen soll.
Für Vonovia handelt es sich um ein Pilotprojekt. Neben dem Sortiment müssen auch mögliche Probleme wie Vandalismus, Müll oder Übernachtungen von Obdachlosen im Verkaufsraum beobachtet werden, so Plum. Diese Erfahrungen seien entscheidend für die Zukunft des Projekts. Falls erforderlich, könne der Zugang auf die Bewohner des Quartiers oder auf bestimmte Zeiten beschränkt werden. Bei Erfolg plant Vonovia, das Konzept auch in anderen Quartieren einzuführen.
