Viel Value-add auf dem aktuellen Immobilienmarkt

09. März 2023 - Eine Diskussion unter Immobilienexperten hat ergeben, dass sich das Marktumfeld weiterhin unsicher gestaltet und Core-Anleger ihre Vorsicht wahren. Dies eröffnet Raum für risikoreiche Strategien, so das Fazit der Expertenrunde.

Quelle: Evan Wise/unsplash.com

Im Jahr 2022 erlebte Deutschland einen rekordverdächtigen Rückgang der Anlageimmobilienpreise, wobei die Spitzenrenditen für Büroobjekte im Verlauf des Jahres um 120 Basispunkte stiegen. Andreas Trumpp, Chefresearcher bei Colliers, betont, dass ein solcher Rückgang bisher am deutschen Markt beispiellos war. Dieser Umstand wurde während eines Expertengesprächs über die Zukunft des Immobilienmarkts diskutiert.

Steffen Günther, Bereichsleiter institutionelle Gewerbekunden bei der DZ Hyp, beschreibt die aktuelle Situation im März 2023 als folgt: "Verkäufer erwarten weiterhin, dass die Immobilienwerte bald wieder das Niveau von Anfang 2022 erreichen werden. Käufer hingegen gehen davon aus, dass die Preise weiter fallen werden. Diese Diskrepanz führt zu einer geringen Anzahl von Immobilientransaktionen." Dies spiegelt sich darin wider, dass im Januar und Februar 2023 der Investmentmarkt um 70% weniger Immobilienumsätze verzeichnete als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Die bevorstehenden Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) tragen zur Unsicherheit bei. Andreas Trumpp hofft darauf, dass sich die Spitzenrenditen für Büros in den kommenden Jahren bei 4,25% bis 4,5% einpendeln werden, was langfristig orientierten Anlegern eine Prämie von etwa 250 Basispunkten gegenüber deutschen Staatsanleihen ermöglichen könnte. Felix Meyen, Geschäftsführer und Verantwortlicher für den Transaktionsbereich bei HIH Invest, hingegen sieht noch kein Preisniveau, das eine solche Prämie rechtfertigen würde. Er erklärt, dass viele Sektoren noch vor Preiskorrekturen stehen und sich viele Investments im negativen Leverage befinden.

Christina Ofschonka, Managing Director bei AEW Invest, betont, dass die niedrige Verschuldungsquote deutscher Immobilieninvestoren dazu beiträgt, dass der Zinsanstieg verkraftet werden kann. Core-Investoren bleiben jedoch aufgrund der Unsicherheiten zurückhaltend.

Value-add-Investoren dürften hingegen zunehmend aktiv sein. Boris Schran von Peakside Capital, einer auf dieses Segment spezialisierten Investmentfirma, erwartet, dass Value-add-Strategien den Markt in den kommenden 18 Monaten dominieren werden.

Trotz der Unsicherheiten hofft Andreas Trumpp auf eine Zunahme von Verhandlungen zwischen den Parteien, was zu einer Belebung des Marktes führen könnte. Obwohl bisher noch keine Zunahme von Abschlüssen verzeichnet wurde, werden mehr Pitch-Einladungen ausgestellt, während Investoren und Bestandshalter den Markt weiterhin testen.