Mit dem Standort in Alzey tragen mittlerweile 93 ehemalige Real-Märkte ein neues Kostüm. Die Kaufland-Flagge ist bereits unzählige Male gehisst worden, dennoch laufen noch in Mainz, Rosenheim und Bielefeld die Umbauarbeiten. Sollte alles nach Plan gehen, werden auch diese Standorte bis Jahresende die Großfläche der Schwarzgruppe verstärken.
Die Übernahme der ehemaligen Real-Standorte stellte Kaufland vor die bisher größte Integrationsherausforderung. Seit zweieinhalb Jahren laufen die Bestrebungen. Lehel Salat, Gesamtprojektleiter, sieht nur noch wenige Restarbeiten vor sich, bis er sich neuen Herausforderungen bei Kaufland stellen soll. Für die bisher geleistete Arbeit im Kontext der Real-Integration kann er sich über zu wenig Lob jedoch nicht beschweren. Konzernintern sollen viele Manager mit seiner Arbeit zufrieden sein.
Dazu tragen sicherlich auch die guten statistischen Ergebnisse bei. Bis auf wenige Ausnahmen laufen sämtliche Übernahme-Märkte nach Plan, oder sogar besser. Kaufland ist ein enormes Risiko mit der Übernahme so vieler Standorte eingegangen. Die Aufgabe war enorm, der zeitliche Horizont begrenzt. Das Risiko scheint sich jedoch gelohnt zu haben. Salat möchte vorwiegend darauf aufmerksam machen, dass die Umsätze „in vielen Fällen über unseren Erwartungen“ liegen. Das Potenzial, das in der Übernahme so vieler Standorte liegt, wird sich hauptsächlich über die nächsten Jahre positiv bemerkbar machen. Eine so euphorische Stimmung kommt auch bei dem übernommenen Personal an. Die ungefähr 9.000 Real-Mitarbeiter, die jetzt für Kaufland arbeiten, sind gut motiviert.
Mit insgesamt 96 Märkten ist Kaufland nah an der magischen 100, die Ex-Komplementär Klaus Gehrig als Ziel festlegte. Das ist deutlich besser als bei Edeka, die von den 80 Märkten, von denen CEO Markus Mosa noch in diesem April gesprochen hat, noch weit entfernt sind.
Kaufland ist mit einem gut vorbereiten Konzept an die Integration und die Umflaggung herangegangen. Die Real-Märkte waren in der Regel nur für zwei Tage geschlossen, in denen umgebaut wurde. Trotz des kleinen Zeitfensters hat sich einiges getan. Neben einem Neuanstrich und dem Austausch von Kassen wurden ca. 760 Paletten Ware pro Markt in die Regale gehievt. In einigen Fällen wurden die Märkte auch kurzfristig neu zugeschnitten. Salat kommentiert dazu gegenüber der Lebensmittelzeitung: „Wir lassen fast nirgendwo Flächen ungenutzt.“
Die Ex-Real-Häuser kamen im Schnitt mit 5.500 m² Verkaufsfläche daher. Das entspricht etwa 1.000 m² mehr als dem Bestandsdurchschnitt. Beim Nonfood fallen bei Kaufland gegenüber Real vorwiegend die Großelektrogeräte weg. Dank dem vielen Platz konnte an den meisten Standorten das volle Kaufland-Nonfood-Sortiment Platz finden, ohne dass dabei etwas vom Food-Sortiment weggenommen werden musste. Beim Zuschneiden der Flächen ist häufig etwas übrig geblieben, was entweder durch Kaufland selbst produktiv nutzbar gemacht wurde, wie durch ein Leergutlager, oder die Fläche wurde an den Eigentümer zurückgegeben, der somit die Möglichkeit hatte einen weiteren Fachmarkt anzusiedeln.
Die Großfläche gilt im Allgemeinen nicht unbedingt als Gewinner der Pandemie-Zeit. In Anbetracht der soliden Umsatzentwicklungen blickt man bei Kaufland jedoch gelassen in die Zukunft. Salat meint dazu: „Wir haben bewiesen, dass unser Konzept funktioniert. Auch, weil das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis tief in unserer DNA steckt.“
