Das Schaffen eines neuen Baumarkts ist ein aufwendiges Unterfangen. Das weiß auch Jörg Krawinkel, der Immobilienchef von Toom: „Von der Entscheidung, einen neuen Markt zu bauen, bis zur Eröffnung können bis zu zehn Jahre vergehen.“ Insbesondere die Planungsdauer ist häufig lang, auch weil die Immobilien häufig so groß oder sogar größer als ein Fußballfeld sind. Deswegen ist es auch immer etwas Besonderes, wenn ein solches Projekt erfolgreich abgeschlossen werden kann. Bei Toom ist das jetzt sogar gleich doppelt der Fall. Während dem dritten Quartal kommt es sowohl in Norden (Niedersachsen) als auch in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) jeweils zu Neueröffnungen.
In Norden findet gerade der Innenausbau für einen 8.800 m² Verkaufsfläche umfassenden Markt. Favorisiert werden bei Toom grundsätzlich lang gezogene Märkte, im Gegensatz zu eher quadratischen Grundrissen. Der Markt in Norden ist rund 50 m tief und 100 m lang und entspricht somit den Präferenzen: „Der hat für uns Idealmaße. Er ist gewissermaßen ein Blueprint für andere Filialen, ein Standardkonzept, das wir bei Neubauten versuchen durchzusetzen“, kommentiert Krawinkel.
Der Standort in Norden wird von der Gesellschaft Nadörst Projektentwicklung entwickelt. Dabei handelt es sich um einen Ableger der Baufirma Tell Bau direkt aus Norden. Einem Bericht des Onlineportals der Nordwest-Zeitung ist außerdem zu entnehmen, dass der Toom-Markt angeblich ca. 16 Mio. Euro gekostet hat. Damit wäre es der umfangreichste Bau in der Firmengeschichte von Tell Bau. Im Ort gab es bereits einen Toom-Standort, der mit 4.000 m² Verkaufsfläche deutlich geringer ausfiel und durch den Neubau ersetzt wird.
Eine besonders schnelle Umsetzung eines Baumarkts kann man in Mönchengladbach an der Lübbecker Straße bestaunen. Hier bestand bereits ein Baurecht für einen Baumarkt. Ursprünglich war ein Max Bahr angedacht. Toom wird als Mieter der Hahn-Gruppe einziehen, einem Spezialisten für Baumarktentwicklungen. Für die Umsetzung vereinigte Hahn das Grundstück des ehemaligen Max-Bahr-Projekts mit einem benachbarten Grundstück, auf dem ein Adler-Modemarkt untergebracht war. Toom bekommt abschließend eine gesamte Verkaufsfläche von 9.350 m² und Adler wird auf 3.600 m² wieder einziehen.
Für das kommende Jahr sind ebenfalls zwei weitere Neueröffnungen vorgesehen. Dabei handelt es sich einmal um ein Grundstück in Alsdorf (Am Rosenkränzchen), das vorher einen Rewe, einen Pro Markt und einen Toom beherbergte. Nach der Projektentwicklung steht hier jetzt ein neues Rewe-Center mit 2.700 m² Verkaufsfläche sowie ein Toom-Baumarkt mit insgesamt 8.200 m² Verkaufsfläche. Ansonsten ist eine Eröffnung in Bremen an der Schragestraße 10 geplant. Toom wird hier 8.800 m² Verkaufsfläche auf einem ehemaligen Schlachthof-Areal beziehen. In beiden Fällen war der Entwickler Ten Brinke.
Letztlich verändert sich die Gesamtanzahl der Toom-Standorte durch die Neueröffnungen erst einmal nicht. Neben den Neueröffnungen kommt es auch zu Schließungen. Eine Schließung wegen Geschäftsaufgabe fand erst im März dieses Jahres in Bitburg statt. Für den September ist die Schließung eines weiteren Toom-Marktes in Tübingen geplant. Im April hat auch eine Filiale von B1 in Berlin-Weißensee geschlossen. Bei B1 handelt es sich um die Discount-Marke von Toom. Mittlerweile existieren nur noch 17 Standorte im B1-Vertriebsnetz.
Für Unternehmen mit großflächigen Einzelhandelsflächen wird das Thema Photovoltaik immer interessanter. So beschäftigt sich auch Toom verstärkt mit diesem Thema. Toom selbst nutzt das Thema Nachhaltigkeit enorm für die Eigendarstellung des Unternehmens. Bereits 2012 wurde in Nieder-Olm ein erster Standort mit der Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) eröffnet. Trotz diesem bereits frühzeitigen Engagements verfügen erst eine Handvoll über eine PV-Anlage. Insgesamt verfügen auch erst 16 Standorte über eine DGNB-Zertifizierung. Toom selbst betont, dass es das DGNB-Siegel lediglich für Neubauten anstrebe. Zu der Anzahl an PV-Anlagen meint Krawinkel, dass es einerseits statische Themen zu berücksichtigen gebe und dass das Thema andererseits generell in die Domäne des Vermieters fällt. Toom ist bei fast allen 316 Standorten lediglich Mieter.
Der Immobilienchef betont jedoch, dass die PV-Anlagen mittlerweile fester Bestandteil der Baubeschreibungen geworden ist. Zukünftig soll jedoch auch am Bestand nachgebessert werden. Zusätzlich ist auch das Thema E-Mobilität mittlerweile Teil jeder Verhandlung um eine Verlängerung des Mietverhältnisses. Abgesehen davon hat Toom jedoch trotzdem schon einiges in die energetische Optimierung ihrer Standorte investiert. Beispielsweise wurde mittlerweile an 180 Standorten LED-Beleuchtung installiert.
Insgesamt ist das Geschäft der Baumarktbetreiber momentan gelinde gesagt turbulent. Das erste Corona-Jahr brachte noch eine Phase der Sonderkonjunktur, während bereits im zweiten massive Umsatzeinbußen zu verzeichnen waren. Nun leidet das Geschäft unter steigenden Energie- und Einkaufspreisen, sowie den kritisch gestörten Lieferketten. Somit kommt es bei zahlreichen Produkten immer wieder zu signifikanten Verzögerungen. Dazu kommt noch die extrem hohe Inflation, die auch zu Steigerungen der Mieten führen, da die Höhe der Mieten in der Regel an die Inflationsentwicklung gekoppelt sind. Krawinkel verweist jedoch darauf, dass es sich dabei jedoch nicht um ein Toom oder Baumarkt spezifisches Problem handelt: „Das trifft aber nicht nur Toom, sondern die gesamte Einzelhandelsbranche.“
