Tegut schärft Markenprofil und rückt Regionalität in den Fokus

7. November 2025 - Der Lebensmitteleinzelhändler Tegut, eine Tochter der Migros-Gruppe, richtet seine Markenstrategie neu aus und setzt künftig deutlich stärkere Akzente auf regionale und lokale Beschaffung. Während intern erste Fortschritte aus den laufenden Sanierungsmaßnahmen sichtbar werden, arbeitet das Unternehmen parallel an einer Neuausrichtung seiner öffentlichen Markenkommunikation. Das seit den 1980er-Jahren prägende Bio-Profil soll dabei bewusst in den Hintergrund rücken – ohne dass sich der Anteil ökologisch erzeugter Produkte im Sortiment verändert.

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Finanzchef Karl-Christian Bay bestätigt gegenüber der LZ, dass Tegut Kompetenzen wie Frische, regionale Wertschöpfung und verlässlich hohe Qualitätsstandards bislang nicht ausreichend hervorgehoben habe. Diese Themen sollen nun stärker sichtbar werden. Ein Beispiel ist die Eigenmarke Landprimus, unter der der Händler Fleischprodukte führt und die die konsequente Qualitäts- und Herkunftsausrichtung des Unternehmens verdeutlicht. Gleichzeitig beobachtet Tegut, dass Wettbewerber wie Aldi beim Thema Haltungsform zunehmend aktiv werden, was den Handlungsdruck zusätzlich erhöht.

Bereits im Dezember soll die neue Schwerpunktsetzung für Kundinnen und Kunden erkennbar sein – unter anderem im Handzettel und weiteren Werbemitteln. Der Bio-Aspekt werde künftig „nicht mehr so im Vordergrund stehen wie vormals“, so Bay. Die betrieblichen Standards bei Erzeugung und Verarbeitung bleiben jedoch unverändert. Dass Bio längst im Massenmarkt angekommen ist, zwingt Tegut zu einer differenzierteren Positionierung. Beobachter ordnen das Unternehmen aufgrund seines rund 30-prozentigen Bio-Anteils häufig eher als Fachhändler ein. Gleichzeitig verliert Tegut Profil, weil vormals exklusive Marken aus dem Bio-Fachhandel mittlerweile weitgehend im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel vertreten sind.

In der Bewertung des Marktes für ökologisch erzeugte Lebensmittel zeigt sich Bay kritisch. Der breite Einstieg der Vollsortimenter und Discounter habe sowohl die Beschaffung als auch die Wahrnehmung von Bio grundlegend verändert. Verbandssiegel hätten zwar das Wachstum befördert, aber zugleich dazu beigetragen, Bio stärker als Austauschware zu positionieren. Durch die erheblichen Einkaufsvolumina konventioneller Händler entstehe ein „zerstörerischer Wettbewerb“, so Bay auf einem Wirtschaftsforum. Niedrige Preise bei gleichzeitig höheren Anforderungen entwerteten Bio – insbesondere zulasten kleinerer Händler. Tegut reduziert deshalb schrittweise den Anteil an Verbandsware von Bioland, Naturland und anderen. Die Anpassung der Markenkommunikation soll helfen, das eigene Profil wieder deutlicher zu schärfen.

Parallel zur strategischen Ausrichtung befindet sich die deutsche Migros-Beteiligung weiterhin in einer tiefgreifenden Restrukturierungsphase. Bereits Anfang 2024 wurde ein Turnaround-Programm gestartet, dessen Ziel die nachhaltige Verbesserung der Wirtschaftlichkeit ist. Im Herbst 2024 folgten weitere Maßnahmen: Die Zentrale wurde personell wieder auf das Niveau von 2019 zurückgeführt. Außerdem werden die autonomen Teo-Standorte bis Ende des Jahres vollständig in die Smart Retail Solutions GmbH (SRS) integriert. Seit Juli ist SRS nicht mehr ausschließlich auf Tegut angewiesen: Edeka Foodservice übernimmt nach Unternehmensangaben bis Jahresende die Belieferung von insgesamt 14 Standorten.

Der Filialabbau hingegen komme nur zögerlich voran, heißt es aus Unternehmenskreisen. Aktuell befänden sich bis zu 50 Märkte im Verkaufsprozess. Durch die Übernahme von 19 Basic-Filialen konnte Tegut im vergangenen Jahr zwar ein Umsatzplus von 2,7 Prozent erzielen und einen Erlös von 1,3 Mrd. Euro erwirtschaften, gleichzeitig blieb das operative Ergebnis mit einem Verlust von 59 Mio. Euro deutlich negativ.