Laut aktuellen Marktdaten stieg der Marktanteil von Spar im Jubiläumsjahr – der Konzern feierte 2024 sein 70-jähriges Bestehen – um 0,1 Prozentpunkte auf 36,9 Prozent. Damit vergrößerte Spar den Abstand zum direkten Wettbewerber Billa (Rewe Group), der auf 33,6 Prozent fiel und 0,3 Punkte einbüßte. Insgesamt erzielte Spar einen Gruppenumsatz von 21,4 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Großteil dieser Umsätze, rund 18,5 Milliarden Euro, entfiel auf das Segment Lebensmitteleinzelhandel.
Innerhalb Österreichs übertraf Spar erstmals die Marke von 10 Milliarden Euro Bruttoumsatz und setzte mit 10,38 Milliarden Euro rund 5,1 Prozent mehr um als 2023. Bemerkenswert ist auch die Entwicklung der selbstständigen Kaufleute: Rund 44 Prozent der insgesamt 1.497 österreichischen Standorte werden von ihnen geführt, mit einem Umsatzplus von 5,5 Prozent im Jahresvergleich.
Trotz des Umsatzwachstums konnte das Ergebnis nicht in gleichem Maße mithalten. Der Gewinn vor Steuern erhöhte sich zwar gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 255 Millionen Euro – dennoch blieb dieser Wert hinter der ursprünglich prognostizierten Zielmarke von 300 Millionen Euro zurück. Hans Reisch nennt dafür vor allem die Ertragsschwäche in Ungarn als Grund. Neben negativen Wechselkurseffekten durch den schwächelnden Forint belasten insbesondere regulatorische Rahmenbedingungen das Ergebnis im größten Auslandsmarkt des Konzerns.
So führte die ungarische Sondersteuer auf den Jahresnettoumsatz, die insbesondere große internationale Handelsunternehmen betrifft, im vergangenen Jahr zu einem bilanziellen Vorsteuerverlust von 28 Millionen Euro. Spar hatte im Herbst 2024 bei der EU-Kommission die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens beantragt – eine Reaktion auf die Belastung durch die Steuer. Weitere juristische Schritte, etwa eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, könnten folgen. Reisch rechnet damit, dass das Ungarn-Geschäft auch in Zukunft negativ zur Ergebnisentwicklung beitragen wird.
Konkrete Finanzprognosen für das laufende Jahr gibt Spar derzeit nicht ab. Gleichwohl kündigte das Unternehmen an, im Jahr 2025 eine Rekordinvestitionssumme von rund 900 Millionen Euro für neue Märkte und die Erweiterung bestehender Standorte bereitzustellen. Die Investitionsoffensive sei laut Reisch auch durch politische Veränderungen motiviert. So habe sich die Raumordnung in Österreich zuletzt deutlich verschärft – eine Entwicklung, die künftig auch auf andere Länder wie Kroatien übergreifen könne. „Wir müssen handeln, solange die Rahmenbedingungen es noch zulassen“, betont der Spar-Chef.
Neben der Expansionsstrategie steht auch die Weiterentwicklung des Store-Designs im Fokus. Spar arbeitet derzeit an einem neuen Ladenkonzept, das insbesondere die Präsentation und Abfolge des Sortiments modernisieren soll. Zukünftig sollen Selbstbedienungswaren nicht mehr isoliert platziert werden, sondern in unmittelbarer Nähe zu den Bedientheken stehen. Damit soll unter anderem die jüngere Kundschaft stärker an klassische Bedienkonzepte herangeführt werden – ein Ansatz, den auch Wettbewerber wie Edeka verfolgen. Ergänzend plant Spar, Feinkost- und Convenience-Produkte prominenter im Eingangsbereich zu positionieren, um die Attraktivität des Frischesortiments weiter zu erhöhen. Dieses trägt aktuell rund 40 Prozent zum Gesamtumsatz bei.
Ein wichtiger Eckpfeiler der Unternehmensstrategie bleibt das Eigenmarkenportfolio. Rund 45 Prozent des Lebensmittelumsatzes entfallen inzwischen auf Handelsmarken – allen voran die Preiseinstiegsmarke „S-Budget“ mit über 1.000 Artikeln. Sowohl im unteren als auch im Premium-Preissegment verzeichnete Spar nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr deutliche Zuwächse.
Mit einem konsequenten Mix aus regionaler Stärke, Innovationsbereitschaft und umfangreichen Investitionen in Standorte und Konzepte positioniert sich Spar weiterhin als führender Akteur im österreichischen Lebensmittelhandel – trotz internationaler Herausforderungen.
