Schwarz-Gruppe treibt eigene KI-Entwicklungen

7. November 2025 - Die Schwarz-Gruppe investiert massiv in digitale Technologien und macht diese Entwicklung zunehmend auch in ihren Verkaufsflächen sichtbar. Besonders bei Lidl erhält die Self-Checkout-Infrastruktur derzeit ein technologisches Upgrade: Eine hauseigene KI-Lösung zur automatischen Erkennung von Obst und Gemüse unterstützt Kundinnen und Kunden beim schnellen Scannen lose verkaufter Ware. Die Technologie wurde vollständig von der IT-Tochter Schwarz Digits entwickelt und befindet sich bereits in mehreren Ländern im Pilotbetrieb.

Quelle: Markus Spiske/unsplash.com

Die Anwendung setzt auf KI-basierte Computer-Vision-Algorithmen, die auch verpackte Produkte – etwa in Netzen oder Tüten – zuverlässig erkennen können. Erste Tests finden international in Lidl-Filialen in Großbritannien und den Niederlanden statt. In Deutschland werden die Funktionen unter anderem in Haltern am See und München erprobt. Aufgrund der hohen Erkennungsgenauigkeit und der positiven Rückmeldungen kündigt Schwarz Digits an, die Lösung zügig in weiteren europäischen Märkten auszubreiten. Derzeit erfolgt ein „Teil-Rollout“, der sich zunächst auf Lidl konzentriert. Gleichzeitig wird geprüft, ob das System künftig auch in Kaufland-Filialen eingesetzt werden kann.

Die Entscheidung, die Technologie vollständig intern zu entwickeln, begründet das Unternehmen mit Qualitäts- und Kostenvorteilen gegenüber bestehenden Marktangeboten. Andere Händler wie Penny, Netto oder Edeka haben vergleichbare Systeme in den vergangenen Jahren zugekauft, während Schwarz bewusst auf eine Eigenentwicklung setzt. Darüber hinaus erwägt das Unternehmen, die Technologie perspektivisch auch externen Partnern anzubieten – ein Hinweis auf das Selbstvertrauen, das die Schwarz-Gruppe in ihre technischen Fähigkeiten gewonnen hat.

Der Ausbau der SB-Kassen schreitet konzernweit voran. Lidl rollt die Terminals seit 2023 flächendeckend in Deutschland aus, während Märkte in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien bereits länger mit Self-Checkout-Lösungen arbeiten. Auch bei Kaufland wächst die Zahl der entsprechenden Installationen kontinuierlich.

Parallel zur Weiterentwicklung der SB-Technologie investiert die Schwarz-Gruppe in weitere KI-gestützte Lösungen. Dazu gehört ein unternehmenseigenes Sprachmodell, das auf der Stackit-Cloud-Infrastruktur betrieben wird. Dieses System dient vor allem internen Zwecken, etwa zur Kommunikation, zur Wissensvermittlung und für Mitarbeiteranwendungen. Externe Cloudkunden können über ein sogenanntes AI-Model-Serving ebenfalls auf diverse Open-Source-Modelle zugreifen. Ergänzend dazu hat Schwarz Digits das sogenannte AI Studio entwickelt – ein Werkzeugkasten, mit dem sich Chatbots erstellen, Bilder generieren oder interne Datenbestände mittels Conversational AI erschließen lassen.

Ein weiteres Entwicklungsprojekt befindet sich noch im frühen Stadium: ein virtuelles Regal auf Basis von Augmented Reality. Der jüngst präsentierte Prototyp, gezeigt mit einer Apple Vision Pro, bildet ein Lidl-Regal digital nach. Nutzerinnen und Nutzer können per Drag & Drop Produkte verschieben, hinzufügen oder entfernen und so bauliche oder konzeptionelle Varianten direkt ausprobieren. Schwarz testet mit diesem Ansatz, wie Extended-Reality-Technologien künftig Planungsprozesse beschleunigen und Entscheidungswege innerhalb des Unternehmens vereinfachen können. Das virtuelle Erleben neuer Konzepte soll insbesondere in der frühen Entwicklungsphase Vorteile bieten.