Russischer Angriff von unten

Ein neuer Harddiscounter plant den Markteintritt in Deutschland.

Es handelt sich dabei um den russischen Händler Torgservis. Per TS Markt GmbH werden von Berlin aus über 100 Mietstandorte vor allem in Nord- und Ostdeutschland gesucht. Die gewünschte Verkaufsfläche beträgt zwischen 800 und 1.200 Quadratmetern und es sollten Stellplätze für 30 bis 40 Autos möglich sein. Wie weit die Pläne schon fortgeschritten sind, ist nicht genau abzuschätzen. Auf der Internetseite ts-markt.de wird schon nach Category- und Business Development Managern gesucht, jedoch noch nicht nach Ladenpersonal.

Ist der Versuch des Discounters aus Sibirien mutig oder naiv? Deutschland ist die Heimat des Niedrigpreises und laut den LZ Retailytics gibt es fast 16.100 Discountmärkte. Doch eine Nische wurde durch das jahrelange Trading-up von Aldi, Lidl und Co. zurückgelassen, die ein extrem minimalistisches Konzept füllen könnte. Deswegen gehen die Planungen vor allem von Eröffnungen in Ostdeutschland aus, da dort die Kaufkraft am schwächsten ist. Außerdem besteht noch die Möglichkeit eine konkrete demografische Entwicklung abzufangen, denn die über eine Millionen Geflüchteten könnten bald schon dankbare Kunden eines besonders preisgünstigen Konzepts werden. Darüber hinaus besteht natürlich auch Potential, die osteuropäischen Staatsbürger für die russischen Filialen zu begeistern.

Das Motto von Torgservis lautet "Jeden Tag nur günstige Preise". Die Russen wollen so radikal auftreten wie nur möglich, so wie Aldi und Lidl in ihren Anfangstagen. Die günstigen Preise können nur über optimierte Kostenstrukturen erreicht werden. Das Sparen wurde jedoch schon im Heimatmarkt gelernt. Dort tritt der Harddiscounter mit lagerhallen-ähnlichen Märkten auf, wo 1.500 bis 2.000 Artikel angeboten werden, vorwiegend Eigenmarken, sowohl bei Food- wie Nonfood-Produkten. Die durchschnittlichen Einrichtungskosten liegen pro Standort bei unter 1 Mio. Rubel, was etwa 13.000 Euro entspricht. Auch die Mietkosten sind nur halb so hoch wie bei den russischen Vollsortimentern X5 und Magnit.

Dennoch bleibt abzuwarten, ob die Russen Erfolg haben werden. Bereits viele ausländische Investoren haben sich die Zähne am deutschen Lebensmittelmarkt ausgebissen und sind letztendlich mit Millionenverlusten wieder abgezogen. Trotz Trading-up verfügen die deutschen Discounter immer noch über eine hoch optimierte Kostenstruktur und sind dabei keine erkennbaren Kompromisse bei der Warenqualität eingegangen. Das Qualitätsbewusstsein deutscher Konsumenten wird im allgemeinen deutlich über den russischen Erwartungen liegen. Außerdem sind die gesetzlichen Bestimmungen, die es beim Verkauf von Lebensmitteln in Deutschland einzuhalten gibt deutlich fordernder und umfassender.

Torgservis ist in Russland vor allem nach der dortigen Wirtschaftskrise von 2014 stark gewachsen. Mittlerweile werden 721 "Svetofor"- und zehn "Mayak"-Märkte betrieben. Seit 2017 ist Torgservis in Kasachstan, China und Weißrussland vertreten. Dazu werden sich bis Ende 2018, so die Planung, auch noch Rumänien und Polen gesellen. Die Märkte werden mehrheitlich in Franchises geführt und erwirtschaften einen Brutto-Außenumsatz von 1,3 Mrd. Euro.