Raoul Roßmann zeigt sich derzeit äußerst zufrieden mit der Geschäftsentwicklung. „Wir müssen uns keine Sorgen darüber machen, wie wir Wachstum generieren, es passiert einfach“, erklärt der Drogerieunternehmer im Gespräch. Seit drei Jahren befindet sich Rossmann in einer außergewöhnlichen Wachstumsphase, die durch politische und gesellschaftliche Krisen zusätzlich beflügelt wurde.
Diese Sonderkonjunktur hat der Branche europaweit zu hohen Zuwächsen verholfen. Rossmann erzielte im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 14 Prozent und erreichte damit fast 14 Milliarden Euro (brutto). Auch für das laufende Jahr zeigt sich Raoul Roßmann optimistisch und rechnet mit einem hohen einstelligen Wachstum im Inland und zweistelligen Zuwächsen im Ausland.
Der Inflationsdruck hat zwar nachgelassen, doch das Wachstum wird weiterhin durch eine erhöhte Kundenfrequenz und steigende Absatzmengen getragen, erläutert der Geschäftsführer. Der Bereich Beauty und Haushalt profitiert von einem Boom der Eigenmarken, Nachholeffekten durch die Corona-Pandemie und einer kontinuierlichen Expansion. Besonders gefragt sind dekorative Kosmetik und Bioprodukte.
Im Inland stieg der Umsatz im vergangenen Jahr um 10 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro, wodurch der Marktanteil um 0,6 Prozentpunkte auf 17,5 Prozent erhöht wurde. Noch bedeutender ist jedoch das Auslandsgeschäft, das um 24 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro wuchs und die höchsten Erträge liefert.
Die Inflationskrise hat den Eigenmarken von Rossmann einen erheblichen Schub gegeben. Dieser Effekt ist im Ausland stärker ausgeprägt, da der Händler seine Eigenmarken in den acht Ländern, in denen er tätig ist, stark ausbaut. Internationale Kooperationen unterstützen dieses Wachstum zusätzlich. Seit dem Vorjahr führt Spar Österreich die Rossmann-Marken „Isana“ (Kosmetik), „Prokudent“ (Mundpflege) und testet das Naturkosmetiklabel „Alterra“. Diese Zusammenarbeit hat sich sehr positiv entwickelt, betont Roßmann.
Der zweitgrößte Drogeriehändler nutzt Eigenmarken, um ohne eigene Strukturen zu expandieren. Dies könnte auch ein Testlauf für den Eintritt in neue Märkte sein. „Unsere Rossmann-Marken bieten uns die Möglichkeit, in neue Länder zu expandieren, wobei das Kapitalrisiko als Lieferant gering ist“, erklärt Roßmann. Der Fokus liege derzeit jedoch auf dem Ausbau des Filialnetzes in Spanien und der Türkei, wo die Marktdurchdringung von Drogeriemärkten noch gering ist.
Insgesamt plant Rossmann für dieses Jahr 178 neue Filialen im Ausland und 75 im Inland. Die Gesamtinvestitionen wurden um 65 Millionen Euro auf 390 Millionen Euro erhöht. „Wir schaffen uns eine solide Basis für die nächsten Jahre, falls sich das Wachstum wieder auf 3 bis 5 Prozent normalisieren sollte“, so Roßmann. Wie bei der Sonderkonjunktur nach dem Schleckereffekt vor über zehn Jahren werde auch diese Phase irgendwann enden.
