Rossmann investiert in smarte Logistik

13. Juni 2025 - Rossmann treibt die Digitalisierung seiner Logistikprozesse konsequent voran und setzt dabei auf tiefgreifende Systemintegration und moderne, lernfähige Softwarelösungen. Im Zentrum steht eine enge Entwicklungskooperation mit dem hannoverschen Technologieunternehmen Graphmasters. Ziel ist die vollständige Verzahnung von Tourenplanung, Telematik und weiteren IT-Systemen, die für eine effiziente Steuerung der Logistik und die reibungslose Warenverteilung von zentraler Bedeutung sind.

Quelle: Dirk Rossmann GmbH/rossmann.de

Der erste Meilenstein dieser Partnerschaft ist bereits erreicht: Die neue, KI-gestützte Tourenplanungssoftware auf Basis der Graphmasters-Technologie ist unternehmensweit nahezu vollständig eingeführt. Lediglich ein Verteilzentrum steht noch vor dem Rollout. Nun arbeitet Rossmann gemeinsam mit Graphmasters an einem weiteren zentralen Baustein – einem modernen Telematiksystem zur intelligenten Steuerung des Lkw-Verkehrs. Noch im Juni soll eine erste Version für den Einsatz zwischen den Verteilzentren in den operativen Betrieb überführt werden. Die vollständige Einbindung in die Filialbelieferung ist bis Ende 2025 geplant.

Jan Blendermann, Logistikleiter Prozesse bei Rossmann, beschreibt das Ziel der Initiative als Aufbau eines „zukunftsfähigen, hochintegrierten Gesamtsystems“, das neben der Tourenplanung und Telematik auch angrenzende Anwendungen in Vertrieb und Logistik effizient verknüpft. Die Vorteile: optimierte Ressourcennutzung, höhere Lieferqualität und eine insgesamt verbesserte Versorgung der rund 2.300 Filialen.

Die Entscheidung für eine Eigenentwicklung fiel nach umfangreicher Marktanalyse. Bestehende Systeme erwiesen sich als nicht ausreichend flexibel oder leistungsfähig für die langfristigen Anforderungen des Drogeriekonzerns. Stattdessen entschied sich Rossmann, auf Basis der KI-Plattform von Graphmasters eine speziell auf den Lebensmitteleinzelhandel zugeschnittene Lösung zu entwickeln.

Graphmasters, ursprünglich bekannt für das Navigationssystem „Nunav“, hat sich durch die Verbindung von Echtzeitdaten und Machine Learning einen Namen gemacht. Nunav berechnet dynamische Routen, die gezielt zur Entlastung des Straßenverkehrs beitragen sollen – durch individuelle Navigationsempfehlungen, die eine gleichmäßige Verkehrsverteilung fördern. Dieses Know-how hat das Startup in den vergangenen Jahren erfolgreich auf den B2B-Bereich übertragen – unter anderem mit Tourenoptimierung für Kurier- und Paketdienste wie den Rewe-Lieferservice oder die Österreichische Post.

Mit der Rossmann-Kooperation erschließt sich Graphmasters nun auch den großvolumigen Filiallogistikmarkt. Die neue Tourenplanungssoftware, intern als „Tourenplanung der nächsten Generation“ bezeichnet, verarbeitet mehr als 100 verschiedene Einflussgrößen – von Lkw-Kapazitäten über Fahrerwünsche bis hin zu Lieferrestriktionen der Filialen. Daraus generiert das System automatisiert optimierte Routenpläne für die nationale Distribution. Durch die Simulationsfähigkeit lassen sich alternative Szenarien schnell prüfen – etwa bei Engpässen oder Störungen, wenn kurzfristig andere Verteilzentren einspringen müssen.

Rossmann betreibt aktuell acht regionale Verteilzentren sowie ein zentrales Lager. Die Einführung des neuen Systems hat die Arbeit der Disponenten deutlich vereinfacht und reduziert den Bedarf an manuellem Eingreifen erheblich.

Parallel zur Tourenplanung steht nun die Telematiklösung kurz vor dem Start. Auch hier wird auf innovative Datenauswertung gesetzt. Die Software erkennt automatisch sogenannte Touren-Events – also markante Ereignisse während einer Lkw-Fahrt, wie Standzeiten, Störungen oder Abweichungen vom Plan. Diese werden erfasst und können gezielt zur weiteren Optimierung der Prozesse genutzt werden.

Darüber hinaus zeigt sich Rossmann offen für weitere Innovationsschritte. „Die neuen Systeme eröffnen uns ganz neue Möglichkeiten“, so Blendermann. Die Entwicklung sei keineswegs abgeschlossen, vielmehr sehe man bereits Potenzial für nächste Projekte, die über die bisherigen Funktionen hinausgehen.

Rossmann ist in der Handelslandschaft kein Neuling, wenn es um frühe Kooperationen mit Technologieträgern geht. Bereits 2015 war das Unternehmen Vorreiter, als es sich als erster deutscher Lebensmitteleinzelhändler für das automatische Dispositionssystem von Relex entschied – zu einem Zeitpunkt, als andere Marktteilnehmer wie Aldi Nord, Lidl, Edeka oder dm noch zögerten. Heute ist Relex eine etablierte Lösung im deutschen Handel.

Die aktuelle Zusammenarbeit mit Graphmasters reiht sich somit ein in eine Strategie, die auf technologische Eigenständigkeit, partnerschaftliche Innovation und langfristige Effizienzsteigerung setzt – mit dem klaren Ziel, die logistische Leistungsfähigkeit von Rossmann auf ein neues Niveau zu heben.