Nachdem dm bereits vor rund einem Jahr mit seinem Apothekenangebot gestartet ist, konkretisiert nun auch Rossmann die bereits Anfang des Jahres angekündigten Pläne. Nach Angaben des Unternehmens laufen die Gespräche mit Lieferanten bereits, gleichzeitig wird das erforderliche Team aufgebaut. Im Fokus steht dabei ein umfassenderes Sortiment als bei dm, das bislang ausschließlich auf rezeptfreie OTC-Arzneimittel setzt.
Da der Vertrieb verschreibungspflichtiger Medikamente in Deutschland ausschließlich Apotheken gestattet ist, organisiert Rossmann das Vorhaben über eine Versandapotheke mit Sitz im Ausland. Zu diesem Zweck wurde die Rossmann-Apotheke B.V. im niederländischen Emmen, unweit der deutschen Grenze, gegründet. Damit folgt das Unternehmen einem Modell, das auch dm gewählt hat. Dort erfolgt der Versand über einen Standort in Tschechien.
Rossmann verfolgt mit dem neuen Angebot das Ziel, den Zugang zu Gesundheitsleistungen zu vereinfachen und bestehende Versorgungsstrukturen sinnvoll zu ergänzen. Nach Unternehmensangaben sollen gesetzlich Krankenversicherte bereits zum Marktstart ihre elektronischen Rezepte im Rahmen der geltenden rechtlichen und regulatorischen Vorgaben einlösen können. Damit tritt Rossmann künftig in direkten Wettbewerb mit etablierten Versandapotheken wie DocMorris oder Shop Apotheke.
Der Vertrieb rezeptpflichtiger Arzneimittel stellt jedoch deutlich höhere Anforderungen als der Verkauf rezeptfreier Produkte. So ist die Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen über einen speziellen Apothekenrahmenvertrag geregelt, der auch Versandapotheken innerhalb der Europäischen Union einbezieht. Rossmann bereitet nach eigenen Angaben derzeit sämtliche notwendigen organisatorischen und technischen Voraussetzungen vor. Dazu gehört unter anderem die gesetzlich vorgeschriebene Echtheitsprüfung jeder verschreibungspflichtigen Medikamentenpackung unmittelbar vor der Auslieferung. Hierfür muss jede Packung einzeln gescannt und in Echtzeit mit einer europaweiten Datenbank abgeglichen werden.
Mit dem Einstieg in das Apothekengeschäft dürfte sich Rossmann zugleich auf kritische Reaktionen einstellen. Bereits beim Marktstart von dm-med hatten verschiedene Interessengruppen deutliche Vorbehalte geäußert. Darüber hinaus beschäftigt eine Klage der Wettbewerbszentrale derzeit die Gerichte. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die enge Verknüpfung von Drogerie- und Apothekenangeboten innerhalb des Onlineauftritts zulässig ist. dm verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass beide Sortimente über getrennte Bestellprozesse abgewickelt werden. Vor dem Landgericht Karlsruhe ist die mündliche Verhandlung für den 23. September angesetzt.
Der Ausgang dieses Verfahrens dürfte auch für Rossmann von großer Bedeutung sein. Das Unternehmen plant ebenfalls einen möglichst einheitlichen digitalen Auftritt. Zentrale Plattform für das Apothekenangebot soll die Rossmann-App werden, die nach Unternehmensangaben derzeit rund zwölf Millionen aktive Nutzer verzeichnet. Das Einlösen elektronischer Rezepte soll dabei ausschließlich über die App möglich sein.
Während Rossmann sein Angebot gezielt um verschreibungspflichtige Medikamente erweitert, hält dm derzeit an seiner bisherigen Strategie fest. Nach Aussage von dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer sei bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln die ärztliche Verordnung und nicht die Kaufentscheidung des Kunden ausschlaggebend. Aus diesem Grund komme die klassische Handelskompetenz des Unternehmens hier nicht in gleichem Maße zum Tragen. Gleichwohl werde die weitere Entwicklung des Marktes aufmerksam beobachtet und die eigene Strategie bei Bedarf überprüft.
