Rewe vor Einstieg bei Feneberg

10.07.2026 - Die Zukunft des traditionsreichen Allgäuer Lebensmittelhändlers Feneberg nimmt konkrete Formen an. Nach einem intensiven Bieterverfahren soll die Rewe Group den Zuschlag erhalten haben und damit ihre Marktposition in der Region deutlich ausbauen. Für den Wettbewerber Edeka, der ebenfalls um den mittelständischen Händler geworben hatte, bedeutet die Entwicklung den Verlust seines umsatzstärksten Kaufmannsbetriebs.

Quelle: Rewe Group/rewe-group.com

Im Rahmen des geplanten Sanierungskonzepts soll rund die Hälfte der insgesamt 72 Feneberg-Filialen an die Rewe Group übergehen. Die übrigen Standorte sollen unter der Marke Feneberg fortgeführt werden. Hierfür setzt die Eigentümerfamilie auf eine Zusammenarbeit mit dem Allgäuer Unternehmer Alexander Pade, der gemeinsam mit der Familie den Fortbestand des Unternehmens sichern soll. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen ist zudem vorgesehen, dass Rewe künftig die Belieferung des verbleibenden Filialnetzes übernimmt.

Die entsprechende Investorenvereinbarung wurde Anfang der Woche unterzeichnet. Zuvor hatte der Gläubigerausschuss dem Vorhaben einstimmig zugestimmt. Für den Abschluss der Transaktion stehen nun noch die Zustimmung der Gläubigerversammlung sowie die kartellrechtliche Freigabe durch das Bundeskartellamt aus. Stephan Leibold, Sanierungsgeschäftsführer von Feneberg, bezeichnete die Unterzeichnung als wichtigen Meilenstein, betonte jedoch zugleich, dass bis zum endgültigen Vollzug des Eigentümerwechsels noch weitere Schritte erforderlich seien. Nach derzeitiger Planung soll die Übernahme noch im Laufe dieses Jahres abgeschlossen werden.

Für Edeka ist der bevorstehende Wechsel besonders bedeutend. Mit Feneberg würde das Unternehmen den größten selbstständigen Kaufmannsbetrieb innerhalb des Verbunds verlieren, der zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 500 Mio. Euro erzielte. In den vergangenen Wochen hatten sich Rewe und Edeka ein intensives Bieterverfahren geliefert. Marktinformationen zufolge soll Edeka zuletzt ein Angebot in Höhe von rund 100 Mio. Euro abgegeben haben, um den Händler im eigenen Verbund zu halten. Das Unternehmen wollte sich zu den Spekulationen jedoch nicht äußern.

Auch bei Rewe soll die geplante Transaktion umfangreiche interne Abstimmungen erforderlich gemacht haben. Nach Brancheninformationen musste sich der Vorstand die Zustimmung des Aufsichtsrats einholen, da Investitionen dieser Größenordnung dessen Freigabe benötigen. Aus Unternehmenskreisen heißt es allerdings, dass der Kaufpreis unterhalb eines dreistelligen Millionenbetrags liegen soll. Unklar bleibt bislang, in welchem Umfang Immobilien Bestandteil der Vereinbarung sind und wie sich das Angebot im Detail von der Offerte Edekas unterscheidet. Die beteiligten Parteien geben hierzu keine Auskünfte.

Ein zentraler Bestandteil der geplanten Lösung ist die Zusammenarbeit mit Alexander Pade. Der Unternehmer aus Memmingen hat zu diesem Zweck die LEH-Allgäu GmbH gegründet, über die künftig die weiterhin unter dem Namen Feneberg betriebenen Märkte geführt werden sollen. Die bisherige Geschäftsführerin Amelie Feneberg soll ihre Funktion auch in der neuen Gesellschaft behalten. Ergänzt wird die Geschäftsführung durch Roland Polland, der zuvor unter anderem für Aldi Süd und SportScheck tätig war. Beide sollen sich nach Angaben aus dem Umfeld der Transaktion zudem in geringem Umfang an der Gesellschaft beteiligen.

Sowohl Rewe als auch Alexander Pade betonen, dass die Vereinbarung auf eine langfristige Entwicklung der Standorte ausgerichtet sei. Ziel sei es, die Nahversorgung in der Region dauerhaft zu sichern und den Filialen sowie ihren Beschäftigten eine verlässliche Zukunftsperspektive zu eröffnen. Nach den bisherigen Planungen sollen die bestehenden Arbeitsverhältnisse der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unverändert fortgeführt werden.

Aus dem Umfeld der Verhandlungen wird zudem berichtet, dass einzelne Standorte perspektivisch auch in das Filialnetz des Rewe-Discounters Penny integriert werden könnten. Vorrang habe jedoch der Ausbau des klassischen Vollsortiments unter der Marke Rewe. Eine offizielle Bestätigung dieser Überlegungen gibt es bislang nicht.

Alexander Pade übernimmt Schlüsselrolle bei der Neuaufstellung

Mit Alexander Pade gewinnt die geplante Transaktion einen regional verwurzelten Investor, der maßgeblich zum Erfolg des Rewe-Angebots beigetragen haben soll. Der 68-jährige Unternehmer stammt aus dem Allgäu und wuchs in einem Käsebetrieb auf. Bereits in den 1970er Jahren soll Feneberg zu den Kunden des Familienunternehmens gehört haben.

Pade beschreibt sich selbst als Unternehmer mit langjähriger Erfahrung im Lebensmittelhandel. Der direkte Betrieb von Supermärkten stellt für ihn allerdings Neuland dar. Seine berufliche Laufbahn war bislang vor allem durch Tätigkeiten auf der Lieferantenseite geprägt.

Nach Recherchen aus der Branche entwickelte und lieferte Pade unter anderem Käse- und Wurstprodukte für Lidl, teilweise unter der Eigenmarke Casa Modena. Darüber hinaus bestanden Geschäftsbeziehungen zur Metro-Gruppe sowie Aktivitäten im Vertrieb von Markenartikeln.

Ein Blick ins Handelsregister zeigt zudem, dass Pade neben der bereits im März gegründeten LEH-Allgäu GmbH im Juli auch die LEH-Grundstücksgesellschaft Oberstaufen GmbH gegründet hat. In Oberstaufen betreibt Feneberg einen Verbrauchermarkt. Immobilieninvestitionen gehören damit ebenfalls zu seinem unternehmerischen Portfolio. Darüber hinaus ist der Memminger am regionalen Flughafen beteiligt.

Der Unternehmer ist Vater von drei Kindern. Seine Söhne Constantin und Raphael Pade sind bereits an der Familienholding beteiligt. Die von Pade angekündigte langfristige Ausrichtung des Engagements dürfte damit auch über die aktuelle Generation hinaus angelegt sein.