Rewe stärkt Präsenz an vielversprechenden Standorten

04.09.2026 - Der Handel beobachtet weiterhin ein erhöhtes Interesse von Investoren an Filialflächen im Lebensmittelsektor, doch der Launch eines massiven Marktausbaus bleibt vorerst verhalten. Eine aktuelle Analyse aus der Hahn Retail Real Estate-Studie verdeutlicht, dass Fachmärkte und Nahversorgungszentren nach wie vor gefragt sind, während sich der Wettbewerb um attraktive Objekte verschärft. Angesichts rückläufiger Kaufpreise öffnen sich für Käuferkreise neue Optionen, gleichzeitig verlangen zahlungskräftige Mitbewerber eine umfassende Bewertung der Standorte, bevor Investitionsentscheidungen fallen. Die Händler selbst liefern mit konkreten Standorteinsichten Argumente, warum der Markt jetzt auf eine strukturierte, langfristig angelegte Akquisition ausgerichtet ist.

Quelle: Rewe Group/rewe-group.com

In Frankfurt leg der Vorstand der Hahn-Gruppe die neuesten Erkenntnisse des gleichnamigen Marktreportes vor. Der jährlich erscheinende Bericht fungiert als Stimmungsbarometer für Handelsakteure und Kapitalgeber: Er gibt Aufschluss über Erwartungen, Planungen und die grundsätzliche Marschrichtung im kommenden Jahr. Eine unternehmensinterne Umfrage der Hahn-Gruppe unter Investoren zeigt, dass gegenwärtig knapp die Hälfte der Befragten Zukäufe moderaten Umfangs erwägen. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei dreißig Prozent. Als zentrale Investitionsziele gelten demnach primär Fachmarktzentren sowie Standorte mit wohnortnaher Versorgung, die sich durch eine tendenziell gute Bonität der Mieter auszeichnen. Diese Mieter scheinen verlässliche Cashflows zu liefern, was für die Investoren ein maßgeblicher Sicherheitsfaktor ist. Zudem gehen sie davon aus, dass die Betreiber allergrößter Lebensmittelketten auch selbst in die Liegenschaften investieren – ein Signal für langfristige Bindung an Standorte.

Gegenwärtig beobachten Marktteilnehmer zudem, dass etablierte Lebensmitteleinzelhändler als potenzielle Käufer auftreten, die gezielt nach preislich attraktiven Objekten suchen, um ihre Portfolios zu stärken und Standorte langfristig zu sichern. Aufseiten der Händler selbst besteht der Trend, Eigentum an Immobilien zu bevorzugen, um Standortstrategien unabhängig von Mietpreisen gestalten zu können. Die Umfrageteilnehmer sehen hier eine klare Opportunität: Gute Lagen, stabile Mieterstrukturen und damit gesicherte Renditen machen Grundstücke und Objekte zu spannenden Langfristszenarien.

Interessanterweise wird der Markt von wichtigen Akteuren wie Rewe-Gruppe stärker in den Fokus genommen. Nach übereinstimmenden Marktinschätzungen ist Rewe zunehmend darauf aus, den Anteil an Eigentumsflächen zu erhöhen. Seit einigen Jahren treibt das Kölner Unternehmen seine Eigentumsquote deutlich nach oben; sobald sich attraktive Standorte anbieten, zählt Rewe zu den aktiven Käufern, die solche Objekte eingehend prüfen. Bei Penny und Rewe bleibt die Tendenz bestehen, vielversprechende Lagen mit langfristiger Perspektive zu sichern, auch wenn der Zugang zu Finanzierungspielräumen nicht trivial ist. Die Verfeinerung des Immobilienportfolios gehört zu den zentralen strategischen Zielen, da Eigentum verlässliche Planbarkeit und Risikominimierung bedeutet.

Auch bei Edeka wird eine deutlich intensiviertere Eigentumsorientierung beobachtet. Dennoch bleibt die Suche nach passenden Objekten selektiv: Nur Standorte mit klarer Standortqualität und langfristem Potenzial finden Berücksichtigung. Insgesamt gilt: Sowohl Rewe als auch Edeka zeigen ein Interesse daran, die Immobilienquote zu erhöhen, gehen dabei aber behutsam vor und investieren gezielt in Standorte mit stabilen Fundamenten. Branchenexperten weisen darauf hin, dass der Erwerb von Handelsimmobilien kapitalintensiv ist und daher eine präzise Bewertung der Renditeperspektiven unabdingbar bleibt. Nur selten werden Objekte gekauft, die keine klare langfristige Perspektive bieten oder deren Ertragschancen unsicher sind.

Gleichzeitig wird das derzeitige Verhalten anderer Ketten als besonders zurückhaltend beschrieben. Aldi Süd und Lidl stehen dem Marktgeschehen eher vorsichtig gegenüber. Der Fokus auf Kalkulationsklarheit und Kostenkontrolle führt offenbar dazu, dass beide Gruppen aktuell eher dazu tendieren, Immobilienoptionen auf dem Markt zu geben, bei denen sie selbst als Mieter agieren würden, statt Eigentümer zu werden. Dieser Modus Operandi signalisiert eine Verschiebung hin zu Kostenminimierung bei Investitionen sowie einer Bedarfsdeckung durch Leasingmodelle, sofern keine stabilen Eigenkapitalvorteile entstehen.

Bei der Erhebung von Expansionsplänen und Umsatzprognosen zeigt sich hingegen eine optimistische Grundhaltung unter den befragten Marktteilnehmern. Die Autorengruppe der Studie – bestehend aus der Hahn AG, Bulwiengesa und CBRE – kommt zu einer positiven Erwartungshaltung bei den Umsatzzahlen der Lebensmittelhändler und der Drogeriemarktbetreiber. Letztere, zu denen Rossmann und dm zählen, treiben das Wachstum durch laufende Expansionen und eine beachtliche Performance auf der bestehenden Verkaufsfläche. Die Befragten gehen davon aus, dass der Umsatz im Segment der Drogerie- und Lebensmittelfilialen weiter steigt, wobei vor allem die führenden Formate signifikante Dynamik zeigen.

Die Gesamtentwicklung des Marktes bleibt damit durch eine selektive Expansionskraft geprägt: Im Hinblick auf neue Filialstandorte berichten die Befragten, dass der Spielraum begrenzt ist. Rund zwei Drittel der Händler rechnen damit, ihr Filialportfolio weitgehend unverändert zu belassen. Nur ein vergleichsweise kleiner Anteil plant, das Netz um weitere Filialen zu erweitern. Diese Zahlen spiegeln eine Phase wider, in der Anleger und Betreiber zugleich vorsichtig handeln: Einerseits besteht die Bereitschaft zur Zukaufstärkung, andererseits wird darauf geachtet, dass neue Standorte wirklich eine langfristig tragfähige Basis bieten.

Die Analyse hebt damit eine Kernbotschaft hervor: Trotz zunehmender Investitionsbereitschaft bleiben zahlreiche Rahmenbedingungen anspruchsvoll. Zu ihnen zählen hohe Investitionssummen, die in der Regel mit einer langfristigen Perspektive verknüpft sind, sowie der Bedarf, Standorte mit besonders guter Erreichbarkeit, verlässlich hoher Kundenfrequenz und belastbarer Mieterbonität zu identifizieren. Händler wie Rewe und Edeka arbeiten darauf hin, ihre Immobilienportfolios so zu strukturieren, dass langfristige Renditen auch in volatilen Marktsituationen gewährleistet sind. Zugleich bleibt der Markt von einer gewissen Zurückhaltung geprägt, insbesondere bei potenziell riskanten Objekten, die eine zu starke Abhängigkeit von einzelnen Mietern oder Marktdruck verursachen könnten.

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass Lebensmittelmärkte aktuell stabilere Perspektiven genießen, während das Investorenumfeld zugleich komplex bleibt. Die Nachfrage nach Handelsimmobilien in gut positionierten Lagen bleibt spürbar, doch nur Objekte mit klarer Langfristperspektive, verlässlicher Mieterbonität und nachhaltigem Renditepotenzial finden den Weg in Portfolios. Die Verfeinerung der Strategien durch etablierte Handelsketten wie Rewe und Edeka unterstreicht, dass Eigentumsinvestitionen in Kernlagen gezielt erfolgen und langfristig ausgerichtet sind. Der Hahn Retail Real Estate Report dient dabei weiterhin als wichtiges Instrument, um Marktstimmung, Erwartungen und Planungen gleichermaßen zu erfassen und für das kommende Jahr zu validieren. Die beobachtete Gemengelage deutet darauf hin, dass der Markt langsam an Fahrt gewinnt, jedoch behutsam vorgeht, um stabile Fundamentaldaten zu sichern und Chancen in attraktiven Lagen systematisch zu nutzen.