Rewe geht neue Wege: Der Kölner Handelskonzern prüft derzeit Optionen zur Erweiterung seiner Lebensmittelproduktion. Dies betrifft sowohl den Ausbau eigener Kapazitäten als auch mögliche Übernahmen auf dem Markt. Quellen aus Finanzkreisen berichten, dass Rewe Interesse an Herstellern aus verschiedenen Branchen der Konsumgüterindustrie zeigt, darunter auch Nudel- und Safthersteller. Konkrete Übernahmen stehen jedoch noch nicht bevor, die Verhandlungen befinden sich in einem frühen Stadium.
Offiziell kommentiert Rewe die Vorgänge nicht. Intern betont der Konzern, dass man stets nach attraktiven Übernahmeoptionen Ausschau halte. Einige Manager sehen in diesem Schritt jedoch einen strategischen Wandel, da Rewe bisher in der Vertikalisierung zurückhaltender war als die Konkurrenz.
Im vergangenen Jahr sicherte sich Rewe 50 Prozent der Anteile am Getränkelogistiker Trinks und betreibt bereits die Glocken-Bäckerei sowie die Fleischwarentochter Wilhelm Brandenburg. Mit einem Produktionsumsatz von knapp 1,1 Milliarden Euro liegt Rewe jedoch deutlich hinter Wettbewerbern wie Edeka und der Schwarz-Gruppe, die jeweils auf Produktionsumsätze von 5,3 Milliarden Euro und 3,4 Milliarden Euro kommen.
Rewe hat in der Vergangenheit oft auf Beteiligungen bei Lebensmittelherstellern verzichtet, wie etwa bei der Übernahme der Erfurter Teigwaren, bei der die Schwarz-Gruppe und Edeka mitgeboten hatten. Intern gibt es auch Skepsis gegenüber einer größeren Produktion, da dies höhere Rohstoffrisiken und steigende Produktionskosten mit sich bringen könnte. Allerdings haben Themen wie Warenverfügbarkeit und -sicherung an Bedeutung gewonnen. Hans-Jürgen Moog, Einkaufsvorstand der Rewe Group, kritisierte kürzlich die nachlassende Lieferperformance der Industrie, die von 98 Prozent auf unter 90 Prozent gesunken sei.
Besonders im Markt für Nudeln, der laut NielsenIQ im deutschen Lebensmitteleinzelhandel einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro generiert, sind die Herausforderungen groß. Schwankende Rohstoffpreise und gestiegene Energiekosten setzen die Branche unter Druck, was zu Verkäufen und Unternehmensaufgaben geführt hat. Der Eigenmarkenbereich, der 41,1 Prozent des Marktvolumens ausmacht, ist besonders betroffen.
