Rewe klettert näher an Edeka heran

28.08.2026 - Im ersten Halbjahr zeigt sich im Obst- und Gemüsesegment eine deutlich veränderte Dynamik: Rewe gelingt es, den Abstand zu Edeka spürbar zu verkürzen. Die Kölner Handelsgruppe verzeichnet eine kräftige Umsatzsteigerung und setzt sich damit neben Lidl als einer der wachstumsstärksten Akteure im deutschen Lebensmitteleinzelhandel fest. Der Gesamtmarkt wächst laut YouGov um rund 1,4 Prozent; Rewe und Lidl bewegen sich deutlich darüber. Ein zentraler Treiber bleibt das Obst- und Gemüsegeschäft, das in den vergangenen Jahren insbesondere durch den Marktdruck der Discounter ausgebaut wurde.

Quelle: Rewe Group/rewe-group.com

Daten aus dem ersten Halbjahr deuten darauf hin, dass Rewe hier besonders stark zugelegt hat. Die vorliegenden Kennzahlen lassen den Schluss zu, dass der Umsatzanstieg im Segment Obst und Gemüse bei Rewe höher ausfällt als bei den meisten Wettbewerbern. Die Discounter spielen nach wie vor eine dominante Rolle in der Kategorie, und ihr Wachstum liegt in der Summe über dem der klassischen Supermärkte. Von Seiten der Branche wird der Abstand zwischen Rewe und Edeka bei Obst und Gemüse im genannten Zeitraum lediglich mit rund 70 Millionen Euro beziffert – ein spürbares Minus gegenüber dem bisherigen Vorsprung von Edeka in früheren Jahren. Experten schätzen das Umsatzplus von Rewe im ersten Halbjahr auf etwa sieben Prozent ein, eine Größenordnung, die mehr als das Vierfache des Zuwachses von Edeka widerspiegelt.

In der Marktkommunikation des Unternehmens gab es im Frühjahr einen deutlichen Schwerpunkt auf Werbeaktivitäten, wobei die Frische-Sortimente besonders in den Fokus gerückt wurden. Preislich bewegen sich Rewe und Edeka nah beieinander; in einigen Fällen wirkt Rewe sogar etwas teurer. Auffällig ist, dass Rewe hier offenbar stärker auf Bio-Produkte setzt und zugleich das höherwertige Segment auch im konventionellen Angebot verstärkt anbietet. Laut Brancheninsidern gelingt es Rewe, die Kunden für diese hochwertigen Artikel zu gewinnen, wobei Wiederkaufsraten dem Management Bestätigung geben. Parallel dazu wurden Vertriebsstrukturen optimiert, um das Frischeangebot in der Breite zu stärken, und Händler berichten von einer verbesserten Betreuung der Filialen.

Ein wesentlicher Teil des Rewe-Erfolgs liegt in dem umfassenden Bio-Angebot. Selbst in Zeiten, in denen Verbraucherbudgets straffer ausfallen, erhöht sich der Umsatz mit Bio-Ware insgesamt weiter. Ungeachtet der konventionellen Preisentwicklung entfällt nach Informationen aus dem Markt ein beachtlicher Anteil des Obst- und Gemüseumsatzes auf Bio-Produkte – Schätzungen zufolge rund 14,4 Prozent. Auch hier scheint man darauf zu setzen, den Preisabgleich mit den Discountern so weit wie möglich zu realisieren. Den Beobachtern zufolge gelingt es Rewe in einem zentral stärker dominierten System offenbar leichter, diese Preis- und Sortimentsstrategie durchzusetzen als im wettbewerbsintensiven Umfeld der Hamburger Konkurrenz.

Das seit zehn Jahren etablierte Regionalkonzept von Rewe gilt als wichtiger Erfolgsfaktor und scheint auch bei der blau-gelben Konkurrenz Anerkennung zu finden. Die jüngsten Neugestaltungen in der Edeka-Regionalbildung erinnern die Beobachter an Rewes Vorbild, was Rewe als Kompliment wertet. Obst und Gemüse fungieren als wesentlicher Frequenztreiber, weshalb es kaum verwundern dürfte, dass sich Rewe auch in anderen Segmenten gelegentlich stärker entwickelt als der Hamburger Rivale. Branchenkenner sehen darin eine Folge der frühzeitigen Nutzung eigener Datenquellen zur Sortimentssteuerung: Bevor eine eigene App eingeführt wurde, verfügte Rewe bereits über robuste Datenbasis; inzwischen ergänzt eine Vielzahl an App-gestützten Informationen die Entscheidungsgrundlagen. Ein Geschäftspartner beschreibt den Ansatz so, dass Rewe zunehmend mit diesen Daten arbeitet und die Zielgruppenansprache präzisiert. Die Perspektive sei vielversprechend, sodass sich das Unternehmen auf weitere Verbesserungen in der Kundenansprache und im Sortimentsaufbau einstellen könne.

Gleichwohl bleibt im Segment Frisch- und SB-Fleischroom noch Luft nach oben, wie ein Rewe-Händler zu Protokoll gibt. Der Wettbewerb mit der blau-gelben Konkurrenz in diesem Bereich sei gegenwärtig besonders stark, weshalb noch Potenzial vorhanden erscheine, um im Frischfleischsegment noch zusätzliche Erfolge zu erzielen. Trotz dieser offenen Felder zeigt sich die Gesamtschau: Rewe hält Anschluss an Edeka und behauptet sich zugleich als führender Wachstumsimpuls im deutschen Lebensmitteleinzelhandel, getragen von einem starken Obst- und Gemüseangebot, einer gezielten Bio-Strategie und einer verbesserten Filialbetreuung, die das Einkaufserlebnis insgesamt aufwertet. Die Entwicklung im ersten Halbjahr bestätigt damit die Einschätzung, dass Rewe nicht lediglich von Preiskämpfen profitiert, sondern vor allem durch eine gezielte Sortimentsgestaltung, eine solide Datenbasis und eine konsequente Umsetzung der Frische-Identität nachhaltig wächst.