Noch steht die Transaktion allerdings unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung. Zwar wurden die entsprechenden Verträge bereits Mitte April unterzeichnet, das Bundeskartellamt hat jedoch ein vertieftes Prüfverfahren eingeleitet. Aus den veröffentlichten Unterlagen der Rewe Group geht hervor, dass die Unternehmensgruppe gemeinsam mit ihrer Discount-Tochter Penny den Erwerb von 38 Tegut-Märkten über einen Share Deal plant. Darüber hinaus sollen bei zwei weiteren Standorten die bestehenden Erbbaurechte im Rahmen eines Asset Deals übernommen werden. Rewe bestätigte die dargestellten Eckpunkte als aktuellen Stand des Verfahrens. Von Seiten der bisherigen Eigentümerin Migros Zürich wurden keine weiteren Angaben gemacht.
Im Verkaufsprozess rund um die Zukunft von Tegut verfolgte Rewe einen deutlich selektiveren Ansatz als Wettbewerber Edeka. Während die Hamburger ein umfangreiches Paket vereinbarten, das neben 202 Märkten auch das Logistikzentrum, die Unternehmenszentrale, die Herzberger-Bäckerei, 41 Teo-Smartstores sowie weitere Gewerbeimmobilien umfasst, konzentrierte sich Rewe auf einen deutlich kleineren Bestand. Über die Höhe des Kaufpreises für das Edeka-Paket liegen bislang keine offiziellen Informationen vor.
Branchenkreisen zufolge hat sich Rewe mit seiner Vorgehensweise jedoch attraktive Standorte gesichert. Zusätzlich profitiert der Konzern indirekt davon, dass ein weiteres Paket mit 36 Tegut-Märkten an den Nahversorger Tante Enso veräußert werden soll. Das Unternehmen wird bereits von Rewe beliefert, wodurch sich zusätzliche strategische Berührungspunkte ergeben.
Auch über die Tegut-Transaktion hinaus wird der Rewe Group von Marktbeobachtern eine konsequente Akquisitionsstrategie bescheinigt. So bemüht sich das Unternehmen nach Marktinformationen derzeit ebenfalls um Teile des insolventen Lebensmittelhändlers Feneberg. Ob ein entsprechender Erwerb zustande kommt, war zuletzt noch offen.
Im Geschäftsjahr 2025 lag ein besonderer Schwerpunkt der Rewe-Investitionen auf dem Tourismussektor. Die bedeutendste Akquisition war dabei die Übernahme der Hotelplan-Gruppe von Migros. Laut Geschäftsbericht hätte die Gesellschaft im Jahr 2025 einen zusätzlichen Umsatzbeitrag von rund 913 Mio. Euro geliefert, gleichzeitig jedoch einen Verlust von etwa 10,8 Mio. Euro verursacht. Für den Erwerb wird ein Kaufpreis von 21,2 Mio. Euro ausgewiesen.
Parallel zu ihren Akquisitionsaktivitäten hat die Rewe Group ihre finanzielle Ausstattung weiter gestärkt. Die bestehende syndizierte Kreditlinie wurde von 2,5 Mrd. Euro auf 3 Mrd. Euro ausgeweitet. Nach Unternehmensangaben dient die Erhöhung als zusätzlicher Liquiditätspuffer und wird derzeit nicht in Anspruch genommen. Darüber hinaus platzierte der Konzern im Jahr 2025 eine Anleihe mit einem Volumen von 1 Mrd. Euro. Zum Bilanzstichtag Ende Dezember 2025 beliefen sich die ausgewiesenen Fremdfinanzierungsmittel der Rewe Group auf knapp 5,2 Mrd. Euro.
Mit der Kombination aus gezielten Übernahmen und erweiterten Finanzierungsmöglichkeiten verschafft sich der Handelskonzern zusätzliche Handlungsspielräume in einem weiterhin herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Umfeld.
