Preiserhöhungen im Discount

09. September 2022 – Die anhaltend hohe Inflation macht auch vor der Preisgestaltung im Discount nicht halt. Bei Aldi und Lidl wurde beispielsweise während des ersten Halbjahrs ungefähr die Hälfte des Sortiments preislich nach oben korrigiert. Vor allem von den gewohnt stabilen Preisen der letzten Jahre müssen sich wohl Händler wie auch Konsumenten verabschieden.

Quelle: Sara Kurfeß/unsplash.com

Die Sortimente von Aldi und Lidl mussten im Zuge der anhaltend hohe Inflation im ersten Halbjahr preislich angepasst werden. Daten, die der Lebensmittelzeitung vorliegen, lassen erste verifizierbare Schlüsse über die Verteuerung im Discount zu. So wurden beispielsweise bei Aldi Süd von insgesamt 2.350 Artikeln ungefähr 1.350 preislich angepasst. Das ist mehr als die Hälfte. Lidl führt insgesamt 2.450 Artikel und erhöhte bei 1.216 davon die Preise. Insgesamt wurden somit bei beiden Händlern ungefähr die Hälfte der Artikel teurer.

Bei dieser Erfassung werden Artikel ignoriert, bei denen der Konkurrent keine gleichwertige Alternative führt. Häufig nutzen Aldi oder Lidl Aktionsartikel, um den Ertrag aufzubessern. Hier verfügen die Händler dann jeweils über einen größeren Spielraum bei der Preisgestaltung, da die Alternative der Konkurrenz für den Konsumenten nicht besteht. Die beschriebenen Preiserhöhungen beziehen sich entsprechend ausschließlich auf Teile des Sortiments, die von beiden Händlern geführt werden.

Traditionell haben Preiserhöhungen bei den Discountern längere Zeit Gültigkeit. Normalerweise kommt es nach einer Erhöhung frühestens sechs Monate, eher jedoch erst ein Jahr später, zu einer erneuten Anpassung. Die Discounter nutzen diese Preisstabilität, um verlässlich für die Kunden zu sein. Zahlreiche explodierende Kostenpunkte, wie bei Rohstoffen und Energie, führen jedoch dazu, dass die Händler die gewohnte Preisstabilität nicht mehr gewährleisten können. Die Folge sind teilweise ungewöhnlich kurzfristige Korrekturen bei den Preisen.

So wurden bei Aldi Süd beispielsweise im ersten Halbjahr bei insgesamt 414 Artikel zweimal der Preis angehoben. Das entspricht immerhin ungefähr einem Sechstel des Sortiments. Bei einer kleinen Zahl an Produkten kam es sogar schon zu drei und vier Preisanpassungen. Selbst mit enormem Druck an die Zulieferer müssen sich die Mühlheimer immer häufiger geschlagen geben und höhere Einkaufspreise an den Kunden weitergeben.

Die erhöhten Preise führen zu einer Veränderung des Konsumverhaltens bei den Kunden. Teure Waren werden schlicht nicht so stark nachgefragt wie vorher. Das führt insbesondere bei Bio-Artikeln zu Problemen mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Auch bei den gewohnten Preisgefügen zwischen Eigen- und Premiummarke gerät gerade einiges durcheinander. So kosten etwa Fischstäbchen der Marke Iglo mittlerweile 4,19 Euro und damit zwei Euro mehr als die Eigenmarke für lediglich 2,19 Euro. Das gleich gilt auch für Barilla Pesto, das bei Aldi und Lidl nach zweifacher Verteuerung für 3,59 Euro zu haben ist. Die Eigenmarke kommt wieder zwei Euro günstiger daher. Ein Markenhersteller kommentiert diesen Trend gegenüber der Lebensmittelzeitung besorgt: „Die Abstände zwischen Marke und Eigenmarke sollten nicht mehr größer werden.“ Immer mehr Markenhersteller fürchten, dass sich der wachsende preisliche Unterschied bald beim Absatz bemerkbar macht.

Große Teile der enormen Preissteigerungen sind auf die herrschende Inflation zurückzuführen. Das sollte entsprechend bei den Wachstumszahlen im Discount mitbedacht werden. Laut GfK wächst der Discount in etwa um zwei Prozent über die ersten sieben Monate des Jahres. Die Inflation der Konsumgüter liegt jedoch mindestens doppelt so hoch. Für Nahrungsmittel gibt Destatis sogar eine zweistellige Inflationsrate an. Das bedeutet, dass die Discounter schwächer als die Inflation wachsen und damit inflationsbereinigt sogar schrumpfen.