Insgesamt investierte Picnic rund 150 Millionen Euro in den Bau und die Ausstattung der Anlage. Die beeindruckende Kapazität des Zentrums erlaubt die wöchentliche Versorgung von bis zu 200.000 Haushalten. Für das erste Etappenziel sind bis März 2026 zunächst 80.000 Haushalte vorgesehen. Die neue Anlage ersetzt perspektivisch gleich mehrere manuelle Lagerstandorte, so Picnic-Mitgründer Frederic Knaudt, und ermöglicht deutliche Effizienzsteigerungen.
Kernstück der technischen Infrastruktur ist ein eigens entwickeltes Bahnensystem mit einer Förderstrecke von 21 Kilometern Länge. Dieses Transportsystem befördert täglich rund 350.000 Kisten – befüllt mit Waren, Kühlmitteln und vorbereiteten Bestellungen – durch das gesamte Lager. Unterstützt wird der Ablauf von 1.500 Shuttle-Robotern sowie einem automatisierten Palettenlager mit einer Kapazität von 1.000 Paletten.
Aktuell beliefert das Oberhausener Zentrum lediglich ein zentrales Verteilzentrum von Picnic. Der volle Betrieb wird schrittweise hochgefahren, wie Logistikleiter Michael Nölscher erklärt. Nölscher ist mit der Umgebung bestens vertraut: Vor seinem Wechsel zu Picnic im Januar war er stellvertretender Standortleiter bei Edeka Rhein-Ruhr – einem direkten Nachbarn, mit dem Picnic eng kooperiert. So werden etwa Warenpaletten direkt vom Edeka-Lager über das Gelände hinweg zu Picnic transportiert. Langfristig soll jedoch die Zahl direkter Lieferbeziehungen zwischen Picnic und den Herstellern ausgebaut werden.
Die Kommissionierung der Bestellungen erfolgt vollständig im Logistikzentrum. Eine spezielle Verpackungsmaschine, gemeinsam mit dem Partnerunternehmen Triplast entwickelt, bestückt die Picnic-typischen Kisten mit jeweils drei Tüten pro Bestellung. Ein Roboter verschließt diese anschließend und platziert sie in größere Metallgestelle, sogenannte Frames. Diese werden per Lkw an dezentrale Verteilzentren geliefert und dort in die elektrisch betriebenen Lieferfahrzeuge verladen.
Trotz des hohen Automatisierungsgrads bleibt Personal weiterhin ein zentraler Faktor: Bereits 250 Mitarbeitende wurden in Oberhausen eingestellt, perspektivisch rechnet das Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten. In der Startphase sind zudem rund 40 Fachkräfte des österreichischen Automatisierungsspezialisten TGW vor Ort, von dem Picnic die technische Hardware bezogen hat. Die komplette Softwarearchitektur für das Fulfillment Center hingegen stammt aus eigener Entwicklung: Ein internes Entwicklerteam von rund 100 Picnic-Mitarbeitenden arbeitete zwei Jahre lang an der Konzeption und Implementierung der Steuerungssysteme.
Das neue Logistikzentrum in Oberhausen ist nach den Standorten in Dordrecht und Utrecht das dritte vollautomatisierte Lager von Picnic. Ursprünglich war die Inbetriebnahme bereits für Ende 2024 vorgesehen, wurde jedoch verschoben, um die komplexen Systeme ausgiebig zu testen und anzupassen.
Mit dem neuen Vorzeigestandort im Ruhrgebiet positioniert sich Picnic als technologischer Vorreiter im europäischen E-Food-Markt – und sendet ein deutliches Signal in Richtung Zukunft: Automatisierung, Skalierbarkeit und Nähe zum Kunden stehen im Zentrum der strategischen Expansion.
