Während Wettbewerber ihre Expansionspläne aus Kostengründen zurückfahren, legt Picnic einen Gang zu und verfolgt ambitionierte Ziele.
Diese Woche startet Picnic erstmals in Hannover, womit das Unternehmen nun mehr Standorte in Deutschland als in den Niederlanden betreibt. In Berlin eröffnet ein weiteres Hub, das es Picnic ermöglicht, insgesamt 1,3 Millionen Menschen in der Hauptstadt zu erreichen. „Während andere gerade auf die Bremse treten, eröffnen wir im Zwei-Wochen-Takt einen neuen Standort," erklärt Mitgründer Frederic Knaudt im Gespräch.
Nach den jüngsten Markteintritten in Hannover, Hamburg und Berlin richtet Picnic seinen Fokus auf die Ausweitung der Präsenz in Bayern. Stellenausschreibungen deuten darauf hin, dass Nürnberg noch in diesem Jahr auf der Liste steht. Darüber hinaus sollen die Südwest-Region von Frankfurt bis Heidelberg sowie Stuttgart weiter ausgebaut werden. Auch Städte wie Leipzig und Dresden stehen auf dem Expansionsplan. Anfang des Jahres betrieb Picnic 75 Hubs und Lager in Deutschland, bis Ende des Jahres soll diese Zahl auf knapp unter 100 steigen. In den nächsten zwei bis drei Jahren plant das Unternehmen, diese Zahl auf etwa 200 zu verdoppeln. Üblicherweise kommen auf ein Logistikzentrum etwa sieben bis zehn Hubs.
Anfang des Jahres schloss Picnic eine Finanzierungsrunde über 355 Millionen Euro ab, angeführt von der Edeka-Gruppe. Diese Mittel sollen nicht nur die Expansion unterstützen, sondern auch in neue Technologien fließen. Ende des Jahres soll die Testphase des vollautomatisierten Hochregallagers in Oberhausen beginnen, das Anfang 2025 in Betrieb gehen soll, so Knaudt, der das Deutschlandgeschäft leitet.
Für 2024 prognostiziert Picnic einen Umsatz von 700 Millionen Euro in Deutschland. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen bei einem Umsatz von 375 Millionen Euro einen Nettoverlust von 93 Millionen Euro. Knaudt betont, dass Skaleneffekte durch Expansion und Technologisierung der Schlüssel zur Profitabilität seien. Die Standorte in der Startregion Rhein-Ruhr sind bereits profitabel, und Knaudt erwartet, dass dies bald für die gesamte Region gelten wird. Eine konkrete Prognose für ganz Deutschland gibt er jedoch nicht ab.
Picnic bleibt weiterhin ein Vorreiter in der Lebensmittel-Lieferbranche und setzt trotz herausfordernder Marktbedingungen auf ein aggressives Wachstum und technologische Innovationen.
