Picnic expandiert während andere straucheln

Der Lebensmittelhandel im Internet inklusive Lieferung nach Hause hat immer noch nicht den großen Durchbruch geschafft.

Das hinterlässt langsam seine Spuren bei den beteiligten Wettbewerbern. Einige beginnen nun damit ihre Geschäfte einzustellen, wie beispielsweise Freshfoods, der Lebensmitteldienst der regionalen Supermarktkette Feneberg. Am Ende wurde sogar eine kostenlose Lieferung angeboten, um zusätzliche Kunden zu gewinnen, doch auch das konnte das Einstellen des Dienstes nicht verhindern. Die Investitionen waren zu hoch und der Gewinn zu klein, so äußert sich zumindest die Führung von Freshfoods.

Bisherige Kunden werden auf das Angebot von Bringmeister verwiesen, einer Tochter von Edeka, mit der Feneberg bereits zusammenarbeitet. Die Biokette Basic hat ebenfalls ihren Internethandel dicht gemacht. Über zehn Jahre hatten die Online-Pioniere Lebensmittel über das Internet vertrieben, doch das Management zieht jetzt den Stecker, da es keine Möglichkeit sieht das Geschäft profitabel zu gestalten.

Doch es sind nicht nur die vermeintlich Kleinen, auch die Großen tun sich schwer oder kommen gar ins Straucheln. Die Deutsche Post DHL hat bereits seine Ambitionen komplett begraben und ihren Dienst Allyouneedfresh verkauft. Auch Amazon kommt nicht so schnell vorwärts wie erhofft. Der Dienst des Online- Giganten Amazon Fresh hat in diesem Jahr keinen neuen Standort erhalten. Es wird zwar weiterhin in Berlin, München und Hamburg ausgeliefert, jedoch war eine Erweiterung zu erwarten.

Diesem negativen Trend stellt sich jedoch das niederländische Start-up Picnic entgegen. Mit dem richtigen Konzept scheint schneller Erfolg in dieser Branche doch möglich. Der Dienst hat erst dieses Jahr in Nordrhein-Westfalen gestartet, dennoch werden bereits 8.500 Kunden beliefert. In der zuletzt hinzugefügten Region Mönchengladbach lagen die durchschnittlichen Wachstumsraten in den ersten sechs Wochen nach dem Start bei 40 Prozent. Das Unternehmen geht davon aus, dass bis zum Ende des Jahres die Anzahl der Bestellungen pro Woche von 4.000 auf 6.000 anwachsen wird.

Die Deutschen sind insgesamt zurückhaltend bei Lebensmittelbestellungen über das Internet. Einer der Gründe dafür dürften wohl die recht hohen Liefergebühren sein. Picnic drückt diese Kosten indem sie an sechs Liefertagen die Woche keine Wunschtermine mit dem Kunden vereinbaren, sondern fixe Touren fahren. Damit kommt der Kurier auf sieben bis acht Auslieferungen pro Stunde, was reicht, um die Kosten pro Lieferung im Vergleich zur Konkurrenz zu reduzieren.

Für das erste Quartal 2019 plant Picnic weitere Liefergebiete zu erschließen, zunächst wohl weiterhin in NRW, dann später auch in anderen Bundesländern. Dazu wurde bereits das Zentrallager in Viersen von 3.500 auf 8.500 Quadratmeter erweitert. Bei einem durchschnittlichen Warenkorb von 60 Euro schätzt die Lebensmittelzeitung den Umsatz bei 6.000 Bestellungen pro Woche auf ca. 19 Mio. Euro.

Damit ist Picnic kein Zwerg, den man mal einfach so übersieht. Das Potential für Lebensmittel-Dienste wird von Experten in Deutschland weiterhin hoch eingeschätzt. Momentan wird gerade einmal ein Prozent des Gesamtumsatzes mit Lebensmitteln online umgesetzt. Mittelfristig wird in großen Teilen der Branche davon ausgegangen, dass zehn Prozent realistisch sind. Der momentane Marktführer Rewe liefert in 75 Städten bundesweit aus und kam 2017 auf einen Umsatz von etwas weniger als 150 Mio. Euro.