Neuordnung der ehemaligen Real-Standorte

13. Februar 2026 – Die Aufteilung der früheren Real-Standorte ist weitgehend abgeschlossen – und sie hat die Kräfteverhältnisse im deutschen SB-Warenhaussegment nachhaltig verschoben. Während Kaufland einen erheblichen Teil des Filialnetzes übernehmen konnte, baut Edeka seine Präsenz schrittweise aus. Rewe wiederum sicherte sich zahlreiche Restflächen, häufig in Form von Teilnutzungen.

Quelle: real GmbH/real.de

Rückblickend wird deutlich, warum die Zerschlagung der einstigen Metro AG-Tochter so hart umkämpft war: Ein erheblicher Teil der umsatzstärksten Kaufland-Märkte in Deutschland basiert heute auf früheren Real-Standorten. Jeder zweite der 20 leistungsstärksten Kaufland-Märkte im Heimatmarkt entstammt inzwischen diesem Portfolio.

Ein anschauliches Beispiel ist der Standort Edingen-Neckarhausen, der vor fünf Jahren zu den ersten umgeflaggten Häusern gehörte. Einzelne Elemente aus der Real-Zeit – etwa Teile der Kühltechnik – sind dort noch sichtbar. Wirtschaftlich jedoch gilt der Markt als erfolgreich integriert. Insgesamt betreibt Kaufland mittlerweile mehr als 120 ehemalige Real-Häuser. Nach Unternehmensangaben ist die Modernisierung der Standorte nahezu vollständig umgesetzt.

Mit der Übernahme gewann Kaufland rund 660.000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche hinzu. Darüber hinaus entstanden mehr als 100.000 Quadratmeter für Konzessionäre, da zahlreiche Märkte flächenmäßig neu strukturiert und verkleinert wurden. Branchenberechnungen zufolge generieren die zusätzlichen Standorte einen jährlichen Mehrumsatz von über drei Milliarden Euro. Marktbeobachter betonen die strategische Bedeutung dieses Wachstumsschrittes: Die zusätzliche Ertragskraft verschafft dem Unternehmen Spielraum für die Weiterentwicklung seines Geschäftsmodells.

Ein wesentlicher Teil der Transaktion entfiel auf die Immobilien. Rund ein Drittel der übernommenen Standorte – etwa 40 Objekte – gingen ins Eigentum von Kaufland über. Etwa zwei Dutzend Immobilien stammten aus dem Portfolio von Swan Capital Partners (vormals SCP), das im Zuge der Real-Übernahme durch ein Investorenkonstrukt zahlreiche Liegenschaften von Metro erhalten hatte. Nur noch ein kleiner Teil dieser Immobilien soll sich nach Marktinformationen im Bestand des Investors befinden.

Allein für die Immobilienakquisition dürfte ein Betrag von deutlich über 500 Millionen Euro angefallen sein. Hinzu kommen Kaufpreiszahlungen an den Investor sowie umfangreiche Investitionen in Umbau und Modernisierung, die sich insgesamt auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag summieren dürften. Das Expansionsprojekt ist weiterhin in Bewegung: Weitere Standorte – unter anderem in Cuxhaven, Gelsenkirchen, Passau und Erfurt – sollen perspektivisch in das Kaufland-Netz integriert werden. Bezogen auf die wirtschaftlich tragfähigen Standorte hat sich die Schwarz-Gruppe damit mehr als die Hälfte des früheren Real-Portfolios gesichert.

Bereits vor Beginn der Zerschlagung hatte der damalige Schwarz-Manager Klaus Gehrig rund 120 Standorte als Zielmarke ausgegeben – diese Schwelle wurde inzwischen überschritten.

Fünf Jahre nach Beginn der Real-Aufteilung liegt Edeka noch unter der ursprünglich kommunizierten Zielgröße von 80 Standorten, die Vorstandschef Markus Mosa ausgegeben hatte. Aktuell betreibt die Gruppe nach Branchenschätzungen knapp 60 entsprechende Häuser. Bei rund zehn weiteren Projekten befinden sich Bau- oder Umbauplanungen in unterschiedlichen Stadien.

Nicht alle Umstellungen verliefen dauerhaft erfolgreich: Der frühzeitig von Real auf Marktkauf umgestellte Standort in Kaiserslautern wurde zwischenzeitlich wieder geschlossen. Gleichzeitig schreitet die Entwicklung an anderen Orten voran. In Wetzlar etwa sicherte sich Edeka die Immobilie unabhängig vom ursprünglichen Investor. Im Magdeburger Florapark soll nach längerer Leerstandsphase ein E-Center eröffnen. Zu konkreten Fortschritten äußert sich das Unternehmen aus wettbewerblichen Gründen nicht im Detail.

Bereits 2019 hatte Edeka gemeinsam mit dem Immobilienunternehmen Redos Interesse an rund 100 Real-Flächen signalisiert – letztlich fiel der tatsächliche Umfang jedoch geringer aus.

Rewe agierte während der Hochphase der Zerschlagung zurückhaltender. Inzwischen betreibt die Gruppe jedoch Märkte an 24 ehemaligen Real-Standorten. In den meisten Fällen wurden Teilflächen übernommen und in bestehende Centerstrukturen integriert.

Ein erheblicher Teil dieser Expansion erfolgte erst nach der Insolvenz der verbliebenen Restgesellschaft „Mein Real“, als der ursprüngliche Bieterprozess formal bereits abgeschlossen war. Medienberichten zufolge könnten weitere Standorte hinzukommen, eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Mit dem Verschwinden von Real endet ein prägendes Kapitel des deutschen Großflächenhandels. Über Jahrzehnte hinweg hatte die Metro AG ein weit verzweigtes SB-Warenhausnetz aufgebaut und zuletzt – nach dem Rückzug von Walmart aus Deutschland – 85 zusätzliche Standorte integriert. Ziel war es, einen national einheitlichen Großflächenanbieter zu etablieren.

Doch mit der strategischen Neuausrichtung der Metro hin zu einem reinen Großhandelskonzern geriet Real zunehmend unter Druck. In den letzten Jahren vor der Veräußerung schrieb die Sparte dreistellige Millionenverluste. 2018 leitete der damalige Vorstandsvorsitzende Olaf Koch den Verkaufsprozess ein; 2020 erhielt schließlich das Investorenvehikel SCP – heute Swan Capital Partners – den Zuschlag.

Die Verteilung des „Real-Erbes“ hat damit nicht nur Immobilien neu geordnet, sondern auch die Struktur des deutschen SB-Warenhausmarktes dauerhaft verändert. Für Eigentümer, Investoren und Handelsunternehmen bleibt die Integration der Flächen ein bedeutender Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Standortqualität im großflächigen Einzelhandel.