Laut Leseberichten habe sich Alnatura mit Rewe auf eine Listung geeinigt, wodurch der Markenhersteller seine Präsenz im deutschen Handel weiter ausbauen kann. Die Verhandlungen zielen darauf ab, Alnatura-Produkte in den Regalen von Rewe zu positionieren und so eine zusätzliche Absatzmöglichkeit in einem wichtigen Vertriebsnetz zu schaffen. Der Plan sieht vor, dass die Produkte ab Oktober im Rewe-Sortiment erhältlich sind. Gleichzeitig deutet die Branche darauf hin, dass Rewe derzeit eine schrittweise Umstrukturierung seines Bio-Sortiments vorantreibt, bei der eine klare Zuordnung der Bio-Artikel zu bestimmten Warengruppen sowie eine allgemeine Sortimentsbereinigung angedacht ist.
Auf Ebene der Handelsakteure bewertet man die bevorstehende Listung als Gewinn. Ein Händler aus dem Alnatura-Stammland Rhein-Main erwartet, dass sich durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Rewe das eigene Sortiment qualitativ anheben lässt. Die Einführung einer eigenen Bio-Strategie im Sortiment von Rewe – hier insbesondere im Bio- und Regionalbereich – wird als Vorteil gesehen, da mehr Sichtbarkeit zu besseren Abverkaufschancen führen dürfte. Die Händler bevorzugen eine klare Zuordnung der Produkte, da diese Strukturierung in der Praxis die Orientierung der Kundschaft erleichert und den Absatz stärkt.
Rewe verfolgt mit der Überarbeitung des Bio-Programms ein klares Ziel: Bis 2030 soll der höchste Anteil an Bio-Umsätzen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel erzielt werden. Diese Zielsetzung ist Teil einer größeren Nachhaltigkeits- und Beschaffungsstrategie, die darauf abzielt, Bio- und Regionalität stärker zu verankern und damit die nationale Bio-Strategie zu unterstützen. Durch die Aufnahme von Alnatura eröffnet Rewe den Herstellern in seinem Portfolio eine Quelle, die voraussichtlich auch regionalere Strukturen in der Beschaffung begünstigen könnte.
Auf Seiten von Alnatura blieb man zu dem konkreten Thema bislang zurückhaltend. Offizielle Stellungnahmen würden zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abgegeben, heißt es aus dem Unternehmen. Man bestätige vielmehr allgemein Gespräche mit verschiedenen Handelsunternehmen und betone, dass Publikationen über einzelne Partnerschaften nicht in dieser Form erfolgen würden. Die Initiative mit Rewe wäre für Alnatura der dritte bedeutende Kooperationsabschluss innerhalb kurzer Zeit. Erst zu Wochenbeginn hatte Wolt die Intensivierung seiner Partnerschaft im Rahmen des neuen Onlineshop-Konzepts Wolt Bio Market bekanntgegeben. Das Bio-Format des Anbieters soll demnach von Alnatura-Produkten getragen werden, mit dem Ziel, bis zu 1.800 Bio-Artikel an 15 Standorten bereitzustellen, von denen rund 700 Produktlinien Alnatura betreffen würden. Zudem hat der Edeka-Discounter Netto seit August in Berlin einzelne Artikel von Alnatura eingeführt, um damit den Anforderungen des Edeka-Netzwerks zu entsprechen.
Hingegen mehren sich Hinweise darauf, dass sich der laufende Umsatzrückgang in der Zusammenarbeit mit Edeka möglicherweise auf die Beweggründe für eine beschleunigte Partnersuche auswirkt. Dazu kommt das Tegut-Aus, das dem Fuldaer Händler als einer der ersten Partner über längere Zeit hinweg als Lieferant diente und der eine umfassende Alnatura-Sortimentsstrategie im Portfolio führte. Parallel dazu ist in der Schweiz der Lizenzmarkenvertrieb der Migros Zürich teils reduziert worden, was außerhalb Deutschlands eine weitere Facette der Umstrukturierung im Biosegment darstellt. Der Umsatz des Konzerns, der laut zuletzt veröffentlichtem Geschäftsbericht knapp 1,195 Milliarden Euro betrug, gliederte sich im wesentlichen in zwei Bereiche: Die Filialen und der Vertrieb über eigene Marken. Im Geschäftsjahr, das am Ende September 2025 ablief, konnte Alnatura einen Umsatz von rund 1,27 Milliarden Euro verzeichnen.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Alnatura mit Rewe eine neue Verbindung eingeht, die das Portfolio im deutschen Einzelhandel weiter stärkt und zugleich die Position von Rewe im Bio-Segment festigt. Die geplante Einführung der Produkte im October, die mögliche organisatorische Umstrukturierung des Bio-Sortiments in Rewe-Märkten sowie die sich daraus ergebenden Absatzchancen für die Partner zeigen, wie eng verknüpft die Entwicklungen im Biohandel derzeit miteinander verknüpft sind. Die Branche bleibt gespannt, wie sich diese Kooperation im Zusammenspiel mit weiteren Maßnahmen im Bio-Portfolio langfristig auf das Marktgefüge auswirken wird.