Netto Nord setzt auf Optimierung bestehender Filialen

05. April 2024 - Der kleinste Discounter Deutschlands, Netto Nord, stellt sich neu auf und fokussiert sich darauf, den Umsatz in bestehenden Filialen zu steigern, anstatt neue Standorte zu eröffnen. Unterstützt wird das Unternehmen dabei von der dänischen Muttergesellschaft Salling.

Quelle: Netto/Wikimedia Commons

Im vergangenen Jahr verlegte Netto Nord seinen Hauptsitz nach Berlin, was einen Neustart und eine strategische Neuorientierung mit sich brachte. Unter der Führung von Torben Godskesen und Daniel Grabka zielt der Discounter darauf ab, ohne signifikante Expansionen Umsatzwachstum zu erzielen. „Unser Fokus liegt ganz klar auf den Bestandsmärkten," betont Godskesen.

Derzeit sind rund 220 der insgesamt 343 Filialen auf das neue Netto 3.0-Konzept umgestellt, das im ersten Jahr zweistellige Umsatzsteigerungen verzeichnete. Auch im zweiten und dritten Jahr bleiben die Zuwächse über dem Marktdurchschnitt. Weitere Filialen werden modernisiert und erweitert, wobei die angestrebte Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern deutlich kleiner ist als bei vielen Wettbewerbern.

Netto Nord konnte nach einem starken Wachstum in der Corona-Zeit die Umsätze stabil halten, erzielte jedoch keine nennenswerten Zuwächse durch die Inflation. Das Unternehmen erwirtschaftet nach Schätzungen der LZ rund 1,3 Milliarden Euro, verglichen mit 1,26 Milliarden Euro zwei Jahre zuvor. „Unsere Umsätze pro Quadratmeter steigen," unterstreicht Godskesen und ergänzt, dass Netto ein profitables Unternehmen sei. Zusätzliche Umsatzimpulse werden durch eine intensive Arbeit am Sortiment erwartet.

Die Anzahl der angebotenen Artikel wurde um 200 auf 2400 erhöht, und in erweiterten Märkten sollen mehr Produkte in Kühlung angeboten werden, um die Attraktivität zu steigern. Regionale Artikel machen rund 30 Prozent des Angebots aus, was laut Daniel Grabka, verantwortlich für Vertrieb und Einkauf, von großer Bedeutung ist.

Netto profitierte stets davon, viele Standorte im Eigentum zu betreiben, was eine Stabilität gegenüber den teurer werdenden Mietstandorten bietet. Seit den 90er-Jahren entwickelte der Discounter kontinuierlich Eigentumsstandorte.

Ein weiterer Schlüssel zur Ertragssteigerung liegt in den Prozessen. Netto hat sich an die Strukturen der Salling-Gruppe angepasst und nutzt deren Plattformen für alle Handelsformate. Dies gilt auch für den Einkauf, bei dem die starke Muttergesellschaft von Vorteil ist.

Ein Highlight der Optimierungsstrategie ist die Einführung der neuen Netto-App, die im Oktober gelauncht wurde und bisher etwa 200.000 Nutzer verzeichnet. Die App trägt aktuell zu etwa 5 Prozent des Umsatzes bei und soll diese Quote weiter steigern. Kunden können über die App personalisierte Rabatte erhalten und auch frische Artikel reklamieren, wenn diese nach dem Kauf nicht den Erwartungen entsprechen. Der Kaufpreis wird dann erstattet.

„Die Nutzer der App sind keine typischen Schnäppchenjäger. Wir sehen, dass der Kundenbon über die Zeit ansteigt," sagt Godskesen. Die App ist auch eine Vorbereitung auf das Ende der gedruckten Werbung, da Netto seine Werbemaßnahmen zunehmend online und in Social-Media-Kanäle verlagert.

Netto Deutschland, seit den 90er-Jahren aktiv, betreibt hauptsächlich Filialen in Berlin-Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen und erzielt einen geschätzten Umsatz von etwa 1,3 Milliarden Euro, was einem Umsatz pro Filiale von 4,4 Millionen Euro entspricht.