Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Lebensmittel Zeitung (LZ) in Kooperation mit dem Marktforschungsunternehmen Nielsen IQ hervor. Dahinter folgen Aldi Nord mit 43 Neueröffnungen, Penny mit 26, Lidl mit 24, Aldi Süd mit 22, Norma mit 16 und Netto Nord mit lediglich einer Eröffnung. Bereits in den beiden Vorjahren hatte Netto die meisten Filialen neu in Betrieb genommen und festigt damit seine Position als einer der wichtigsten Mietpartner für die Immobilienbranche im Lebensmitteleinzelhandel (LEH).
Die Expansion von Netto konzentriert sich laut Branchenanalysen vor allem auf den ländlichen Raum, während Konkurrenten wie Aldi und Lidl verstärkt auf städtische Ballungsgebiete und Metropolregionen setzen. Eine ergänzende Untersuchung der Immobilien Zeitung (IZ) auf Basis der LZ- und Nielsen-Daten zeigt, dass im Zeitraum von 2022 bis 2024 ausschließlich Netto und Aldi Süd ihr Filialnetz deutlich ausgebaut haben. Netto weist dabei 212 Neueröffnungen bei 144 Schließungen auf, was einem positiven Nettozuwachs von 68 Standorten entspricht. Auch Aldi Süd weist mit 82 Eröffnungen und 37 Schließungen eine deutliche Nettoexpansion von 45 Filialen auf.
Im Gegensatz dazu gleichen sich bei Aldi Nord die Eröffnungen (114) und Schließungen (110) fast aus, was zu einem nahezu ausgeglichenen Filialnetz führt. Ähnlich verhält es sich bei Lidl, wo mit 74 Neugründungen und 71 Schließungen ebenfalls ein Gleichgewicht besteht. Penny verzeichnet mit 82 Eröffnungen und 95 Schließungen einen Nettoverlust, während Norma mit 58 neuen Standorten und 40 Schließungen ebenfalls eine leichte Expansion verzeichnet. Insgesamt wurden zwischen 2022 und 2024 in Deutschland rund 626 neue Filialen eröffnet und 503 aufgegeben.
Branchenexperten zeigen sich über diese Zahlen wenig überrascht. Ein Investor und Entwickler im LEH-Geschäft erklärt: „Netto ist für uns der bevorzugte Partner im Vergleich zu Lidl.“ Der Grund liege in der besseren Möglichkeit, Mietrenditen durch moderate Erweiterungen der Verkaufsfläche von beispielsweise 800 auf 1.000 Quadratmeter zu steigern, was Investitionskosten von rund 1,5 Millionen Euro erfordere. Lidl dagegen favorisiere überwiegend Neubauten und genehmige solche nur, wenn ein Umsatzanstieg von etwa einem Drittel gegenüber der bisherigen Filiale erzielt werden könne. Dies schließe Erweiterungen in der genannten Größenordnung aus, da hier ein solch hoher Umsatzsprung unwahrscheinlich sei.
Für Händler wie Penny, Aldi und Rewe bestehe ähnlich wie bei Netto mehr Flexibilität für Filialerweiterungen und Standortoptimierungen. Obwohl Lidl als Marke inhaltlich und qualitativ überzeugt, wird das Unternehmen in Bezug auf seine Expansionsstrategie als eher zurückhaltend und restriktiv wahrgenommen.
Die derzeitigen Entwicklungen spiegeln die unterschiedlichen Herangehensweisen der großen Discounter wider und zeigen, wie Netto durch seine gezielte Wachstumsstrategie gerade im ländlichen Raum zu einem der wichtigsten Player für Immobilieninvestoren im deutschen Lebensmitteleinzelhandel avanciert ist.
