Müller startet umfassende Expansion in der Schweiz

07. März 2025 - Der Handelskonzern Müller reagiert auf die wachsenden Herausforderungen im Schweizer Markt mit einer breit angelegten Investitionsoffensive. Rund 30 Millionen Euro sollen in den Ausbau der Präsenz im Land fließen – insbesondere durch die Eröffnung von neun neuen Filialen sowie die Erweiterung von vier bestehenden Standorten. Damit unternimmt Müller das größte Filialexpansionsprogramm in der Schweiz seit Markteintritt vor rund zwei Jahrzehnten.

Quelle: Müller Handels GmbH & Co. KG/ Wikimedia Commons

Nach Unternehmensangaben wächst die Verkaufsfläche durch diese Maßnahmen um über zehn Prozent und wird künftig rund 91.000 Quadratmeter betragen. Zu den neuen Standorten zählen unter anderem Zürich, Winterthur und Aarau. Aktuell betreibt Müller 89 Filialen in der Schweiz – mit der laufenden Expansion wird diese Zahl deutlich steigen.

Hintergrund dieser Investitionen ist unter anderem die strategische Neuausrichtung nach der Übernahme des traditionsreichen, aber defizitären Spielwarenanbieters Franz Carl Weber (FCW) im Sommer 2023. Die Integration des Unternehmens stellt Müller weiterhin vor große Herausforderungen. Von ursprünglich 22 übernommenen FCW-Filialen sind derzeit lediglich zehn unter dem bekannten Schaukelpferd-Logo in Betrieb. Neun Standorte wurden geschlossen, drei weitere wurden bereits in Müller-Filialen umgewandelt. Für das kommende Jahr ist die Umstellung von drei weiteren FCW-Standorten auf das Müller-Format geplant – darunter zwei in Zürich und einer in Zug.

Die Zukunft der Marke Franz Carl Weber bleibt unklar. Spekulationen über ein mögliches Aus zum Jahresende 2025 begegnet das Unternehmen mit Zurückhaltung: Laut Müller soll die Marke auch über 2026 hinaus weiter im Konzern sichtbar bleiben. Denkbar seien punktuelle Shop-in-Shop-Konzepte oder ein Weiterbetrieb einzelner Standorte – nicht zuletzt aus mietrechtlichen Gründen.

Die Übernahme des angeschlagenen Spielwarenhändlers hatte zunächst für positive Schlagzeilen gesorgt, vor allem aufgrund des vergleichsweise niedrigen Kaufpreises, der laut Brancheninformationen im unteren zweistelligen Millionenbereich lag. Ernüchterung folgte jedoch schnell: Die wirtschaftliche Situation von FCW stellte sich als deutlich angespannter heraus als zunächst angenommen. Nur im Dezember, während des Weihnachtsgeschäfts, konnte das Unternehmen schwarze Zahlen schreiben. In den übrigen Monaten blieb die Kundenfrequenz niedrig, die Flächen galten als ineffizient geschnitten und wiesen laut Insidern eine geringe Flächenproduktivität auf – für Müller-Inhaber Erwin Müller ein klarer Handlungsbedarf.

Die wirtschaftliche Schieflage hatte auch personelle Konsequenzen. Langjährige Mitarbeiter verließen das Unternehmen – nicht zuletzt aufgrund interner Unzufriedenheit und, wie aus Branchenkreisen zu hören war, deutlichen Einschnitten bei den Gehältern. Das Unternehmen weist diese Vorwürfe zurück, verweist jedoch auf notwendige Anpassungen aufgrund mangelnder Rentabilität und unzureichender Kundenfrequenz an diversen Standorten. Ziel sei es stets gewesen, die verbleibenden Arbeitsplätze zu sichern und das Sortiment entsprechend auszurichten.

Die aktuellen Turbulenzen kommen für Müller zur Unzeit. Ursprünglich sollten künftige Wachstumsinitiativen auf neue Märkte wie Spanien und Osteuropa konzentriert werden. Doch der zunehmende Wettbewerbsdruck – unter anderem durch die Expansionsstrategien von Rossmann und Action in der Schweiz – verlangt nach einer Neujustierung der Prioritäten. Auch wenn Müller sich selbst weder als klassische Drogerie noch als reiner Nonfood-Anbieter positioniert, machen sich die Veränderungen im Marktumfeld bemerkbar.

Trotz aller Widrigkeiten bleibt die Schweiz ein wichtiger Eckpfeiler im internationalen Geschäft des Unternehmens. Mit geschätzten 450 Millionen Euro Umsatz jährlich ist sie Müllers bedeutendste Auslandsniederlassung und trägt rund zehn Prozent zum Gesamtumsatz bei. Im Sortiment befinden sich rund 190.000 Artikel, die größtenteils aus Deutschland stammen und so sowohl dem Konzern als auch den Schweizer Kundinnen und Kunden attraktive Preisvorteile bieten.

Mit dem aktuellen Investitionsprogramm signalisiert Müller klar, dass man an den Standort Schweiz glaubt – und bereit ist, trotz aller Widrigkeiten weiterhin zu investieren.