Nach Informationen aus Branchennähe wird der bisherige Zuschnitt der angebotenen Pakete aktuell überarbeitet. Ursprünglich wollte Migros bis zu zehn Prozent des Tegut-Filialnetzes abgeben – das entsprach etwa 35 Märkten, vor allem in Süddeutschland. Doch die Verkaufsverhandlungen, insbesondere mit Edeka, kommen nur langsam voran. Eine Entscheidung wurde bereits für den Sommer erwartet, ist bislang aber ausgeblieben. Die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ), Eigentümerin von Tegut, hält sich zu konkreten Zeitplänen bedeckt und verweist auf laufende Prüfungen verschiedener Optionen.
Unabhängig von den Paketverhandlungen sind einzelne Standorte bereits separat veräußert worden. Edeka übernimmt im Raum Stuttgart beispielsweise Filialen in Waiblingen und Ludwigsburg. Auch Dennree hat sich einen Markt in Augsburg gesichert. Laut Tegut-Marktfinder betreibt das Unternehmen derzeit noch rund 337 Filialen – etwa zehn weniger als zu Jahresbeginn.
Die GMZ bestätigte, dass weiterhin ein grundsätzliches Interesse an der Abgabe mehrerer Standorte besteht. Eine Sprecherin betonte jedoch, dass man sich dabei weder an feste Strukturen noch an konkrete Zeitrahmen gebunden fühle. In einigen Fällen seien Märkte bereits aus bestehenden Paketen herausgelöst worden. Auch eine Übergabe an Tegut-Partnerunternehmen oder die Umwandlung in privat geführte Märkte innerhalb der Tegut-Marke werde in Betracht gezogen.
Ein zentrales Hindernis beim Paketverkauf sind offenbar wirtschaftliche Rahmenbedingungen: Mehrere betroffene Standorte verzeichnen nach Recherchen deutliche negative Umsatzrenditen. Darüber hinaus gelten überdurchschnittlich hohe Miet- und Nebenkosten – etwa infolge der Basic-Übernahme in München – als Belastung. Zwar konnte Tegut mit dem Erwerb des Biohändlers seine Präsenz in der bayerischen Landeshauptstadt ausbauen, musste dafür jedoch überhöhte Quadratmeterpreise akzeptieren, wie aus Branchenkreisen zu hören ist.
Auch logistisch stellt die süddeutsche Expansion eine Herausforderung dar: Die Belieferung aus dem hessischen Logistikzentrum in Hünfeld verursacht hohe Transportkosten. Zudem berichten Insider von ungünstigen Standortlayouts – verwinkelte Flächen oder schwierige Anlieferungssituationen seien keine Seltenheit.
Neben den bekannten Vollsortimentern Edeka und Rewe hat Migros auch Gespräche mit Drogerieketten und Discountern geführt, um mögliche Abnehmer zu gewinnen. Derzeit scheint es jedoch keinen akuten Handlungsdruck auf der Käuferseite zu geben – vor allem nicht unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen.
Die Expansion nach Süddeutschland war einst ein strategisches Wachstumsziel unter dem damaligen Geschäftsführer Jörg Blunschi. Insbesondere in München wollte man durch die Übernahme von Basic vom hohen Bio-Affinitätsgrad der Kundschaft profitieren. Mit einem Bio-Anteil von bis zu 30 Prozent zählt Tegut zu den bio-stärksten Vollsortimentern am deutschen Markt. In den Münchner Märkten lag der Anteil zum Teil noch höher.
Doch das erhoffte dynamische Wachstum blieb aus. Zwar legte der Nettoumsatz im Jahr 2024 laut Geschäftsbericht der GMZ Deutschland Holding um 2,7 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro zu – gemessen an den Erwartungen fällt das Ergebnis jedoch verhalten aus. In der Bilanz der Schweizer Muttergesellschaft ist Tegut inzwischen nur noch mit einem Restwert von rund 180 Millionen Euro vermerkt.
Bereits Anfang 2024 hatte die GMZ ihrer deutschen Tochter ein dreijähriges Sanierungsprogramm auferlegt. Bis Ende 2026 soll Tegut wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Bis dahin garantiert eine bestehende Patronatserklärung, dass die Schweizer Genossenschaft für finanzielle Stabilität sorgt. Im November 2024 zog Migros erste Konsequenzen aus einem erstellten Sanierungsgutachten: Die Abkehr von der süddeutschen Expansionsstrategie gehört ausdrücklich dazu.
Unter der neuen Leitung von GMZ-Chef Patrik Pörtig bleibt die Zukunft der betroffenen Tegut-Standorte damit weiter offen – und der Restrukturierungsprozess ist längst nicht abgeschlossen.
