Nachdem der bisherige US-Chef Joel Rampoldt vor einigen Monaten ausgeschieden war, hat Lidl die Führungsstruktur für das Amerika-Geschäft neu organisiert. Künftig übernimmt der Ire Alan Barry die Position des CEO. Unterstützt wird er von Maciej Tylkowski, der künftig das operative Geschäft verantwortet, sowie von Jassine Ouali, die den Bereich Kundenmanagement und Kundenerlebnis leiten soll. Beide Manager waren zuvor in Großbritannien tätig und gelten dort als maßgeblich daran beteiligt, dass Lidl zuletzt wieder stärker wachsen und den Abstand zu Aldi reduzieren konnte. Der bisherige Interimschef Marco Giudici wird dagegen in die Unternehmenszentrale zurückkehren.
Alan Barry ist mit dem US-Geschäft bereits vertraut. Seit rund zwei Jahren verantwortet er dort die Bereiche Operations und Immobilien. Zuvor war er in Großbritannien und Irland als Chief Development Officer tätig. Branchenbeobachter sehen in der personellen Besetzung ein deutliches Zeichen dafür, dass Lidl nach einer Phase konsequenter Kostendisziplin wieder verstärkt auf Expansion setzen möchte. Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, dass die Schwarz-Gruppe zusätzliche finanzielle Mittel bereitstellen könnte, nachdem in den vergangenen Jahren vor allem Sparmaßnahmen im Fokus standen. Aus Neckarsulm heißt es dazu, man arbeite weiterhin intensiv am langfristigen Erfolg des Unternehmens in den USA und sehe eine wachsende Zahl loyaler Lidl-Kunden im Markt.
Trotz inzwischen neun Jahren Präsenz in den Vereinigten Staaten fällt die Bilanz bislang jedoch vergleichsweise überschaubar aus. Aktuell betreibt Lidl dort rund 200 Filialen. Im stark umkämpften US-Lebensmittelhandel reicht diese Größenordnung bislang nicht aus, um eine wirklich bedeutende Marktrolle einzunehmen. Das US-Branchenmagazin „Progressive Grocer“ führt Lidl derzeit auf Rang 87 der größten Lebensmittelhändler des Landes. Der Umsatz wird auf rund 1,55 Mrd. US-Dollar geschätzt.
Zum Vergleich fällt die Präsenz der Wettbewerber deutlich größer aus: Aldi Süd verfügt in den USA über rund 2.600 Standorte und erzielt dort Umsätze von knapp 26 Mrd. US-Dollar. Auch Trader Joe’s, der zu Aldi Nord gehörende Händler, bewegt sich mit etwa 600 Märkten und einem Umsatz von rund 21,9 Mrd. US-Dollar auf einem wesentlich höheren Niveau. Beide Unternehmen konnten ihre Erlöse zuletzt jeweils stärker steigern, als Lidl insgesamt im US-Markt erwirtschaftet.
Vor diesem Hintergrund scheint Lidl seine bisherige Zurückhaltung beim Ausbau des Geschäfts überdenken zu wollen. Im Marktumfeld wird darüber spekuliert, dass künftig verstärkt Übernahmen oder Zukäufe genutzt werden könnten, um schneller zu wachsen. Ein Beispiel dafür lieferte bereits die Übernahme der Supermarktkette Best Market im Raum New York. Die insgesamt 27 umgewandelten Standorte sollen heute zu den erfolgreichsten Filialen innerhalb des amerikanischen Lidl-Netzes gehören. Weitere vergleichbare Expansionsmöglichkeiten ließ das Unternehmen in der Vergangenheit allerdings ungenutzt, während Wettbewerber wie Aldi ihre Marktposition durch zusätzliche Akquisitionen konsequent ausbauten.
