Der neue Filialtypus ist Teil einer übergeordneten strategischen Neuausrichtung im Nonfood-Bereich. Laut Brancheninsidern steht das Thema 2025 besonders im Fokus bei Lidl. Unter der Leitung von Bereichsvorstand Benjamin Steeb wird derzeit intensiv daran gearbeitet, das Sortiment und die Präsentation nonlebensmittelbasierter Produkte weiterzuentwickeln. Ziel ist es, für Kundinnen und Kunden ein attraktiveres und vielfältigeres Einkaufserlebnis zu schaffen – und dabei Marktanteile in einem wachsenden Segment zu gewinnen.
Die Entscheidung, ein eigenes Format für Nonfood-Artikel zu etablieren, ist nicht zufällig: Gerade in Discountern ist der Platz für derartige Warenangebote begrenzt. Studien – etwa von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn – belegen, dass eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten häufig als Hürde bei der Kaufentscheidung empfunden werden. Mit einem separaten Store schafft Lidl nun die räumlichen Voraussetzungen, um dem entgegenzuwirken.
In Lottstetten sind nun erstmals sämtliche Nonfood-Eigenmarken von Lidl in einem dedizierten Umfeld zusammengeführt. Kundinnen und Kunden finden im rund 500 Quadratmeter großen Markt ein breites Angebot unter anderem der Marken Parkside (Werkzeuge), Silvercrest (Elektrogeräte), Esmara (Mode), Livarno (Wohnaccessoires), Crivit (Sportartikel) und Lupilu (Kinderbedarf). Die Aktionsartikel, die wöchentlich in den regulären Lidl-Märkten angeboten werden, sind hier ebenfalls vertreten und prominent im Eingangsbereich platziert.
Der neue Standort befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer klassischen Lidl-Filiale – eine Konstellation, die es erlaubt, das Kundeninteresse direkt zu vergleichen. Die Immobilie selbst wurde zuvor von der Heimtierbedarfskette Fressnapf genutzt und bietet nun als Lidl Home & Living deutlich mehr Raum zur Produktpräsentation als die typischen Nonfood-Flächen im Lebensmitteleinzelhandel.
Lidl betont auf Nachfrage, dass es sich bei der Filiale nicht um einen temporären Pop-up-Store handelt, sondern um eine dauerhafte Verkaufsstelle für wechselnde Sonderaktionen. Damit ist der Markt in Lottstetten nicht nur ein Pilotprojekt, sondern potenziell auch ein Testlauf für eine breitere Umsetzung. Eine offizielle Aussage dazu, ob und wann weitere Filialen dieses Typs folgen werden, wollte das Unternehmen bislang jedoch nicht treffen.
Sollte sich das Konzept bewähren, könnte dies auch für den Markt für Handelsimmobilien neue Impulse liefern. Gerade leerstehende Gewerbeflächen, die für den klassischen Lebensmitteleinzelhandel zu klein oder ungünstig geschnitten sind, könnten für das Nonfood-Format eine neue Nutzungsperspektive bieten. Auch die Nähe zu hoch frequentierten Lebensmittelstandorten – wie im Fall Lottstetten – eröffnet Potenziale für Synergieeffekte im Filialbetrieb.
Mit der Eröffnung von Lidl Home & Living in Lottstetten testet die Schwarz-Gruppe eine neue Vertriebsschiene, die weit über die klassische Discount-DNA hinausgeht. Die gezielte Stärkung des Nonfood-Geschäfts unterstreicht den Anspruch, sich auch in diesem Segment als relevante Größe zu positionieren. Ob aus dem Pilot eine ganze Reihe von spezialisierten Filialen wird, bleibt abzuwarten – die strategischen Weichenstellungen sprechen jedoch dafür.
