Erste Hinweise auf das neue Erscheinungsbild gab es bereits im Sommer in Lauffen am Neckar. Dort präsentierte sich eine modernisierte Lidl-Filiale mit einem deutlich stärkeren Einsatz der Farbe Blau, die bislang vor allem aus dem Unternehmenslogo bekannt war. Öffentlich sprach Lidl damals noch von einem Testlauf. Intern galt das Konzept jedoch bereits als weitgehend finalisiert. Inzwischen hat der Rollout begonnen, auch wenn sich das Unternehmen auf Nachfrage nicht detailliert zu den Inhalten äußern wollte.
Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, dass die umgestalteten Märkte höhere Abverkäufe erzielen als vor dem Umbau. Zwar ist die Zahl der bislang modernisierten Filialen noch zu gering, um messbare Effekte auf den Gesamtumsatz zu haben, das Umsetzungstempo ist jedoch hoch. Allein in den vergangenen Wochen gingen mehrfach jeweils mehr als zehn neu eröffnete oder umgebaute Standorte gleichzeitig in Betrieb. Für das kommende Jahr soll mindestens eine hohe zweistellige Zahl weiterer Projekte folgen.
Mit den jüngsten Neueröffnungen wächst auch das Filialnetz insgesamt wieder. Nachdem Lidl in den vergangenen Jahren vor allem auf Optimierung statt Expansion gesetzt hatte, weist der Filialfinder in der Lidl-App aktuell 3.273 Standorte in Deutschland aus. Damit erreicht der Discounter wieder ein Niveau, das zuletzt im Jahr 2012 erreicht worden war. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag die Zahl laut Hahn-Report noch bei 3.240 Filialen.
Die reine Anzahl der Märkte ist jedoch nur bedingt aussagekräftig für die wirtschaftliche Entwicklung. Seit 2012 haben sowohl die durchschnittlichen Verkaufsflächen als auch die Flächenproduktivität deutlich zugelegt. Der aktuelle Hahn-Report beziffert den Umsatz pro Quadratmeter auf 10.480 Euro. Im Jahr 2017 lag dieser Wert noch bei rund 7.400 Euro.
Ein Beispiel für die Umsetzung des neuen Konzepts findet sich in Crailsheim im Nordosten Baden-Württembergs. Die dortige Filiale, die 2017 nach einem damals modernen Bau- und Gestaltungskonzept mit viel Holz und hellen Farben eröffnet worden war, wurde Ende November erneut umgestaltet. Auch hier halten blaue Farbflächen Einzug, insbesondere an Wänden sowie an Teilen der Regale und Möblierung. Gleichzeitig wurde bei der Umsetzung nicht überall ein vollständiger Austausch vorgenommen: Kühlmöbel kamen teilweise weiterhin zum Einsatz. In der Tiefkühlung wurde etwa eine Aktions-Truhe farblich angepasst und neu positioniert, statt sie komplett zu ersetzen.
Im Eingangsbereich mit Obst und Gemüse gibt es hingegen eine grundlegende Neuerung. Ein Teil der Ware wird nun gekühlt im Regal präsentiert – ein Standard, der in südlicheren europäischen Ländern bereits verbreitet ist und nun auch in den deutschen Filialstandard übernommen wurde. Ebenfalls neu ist die überarbeitete Drogerie-Abteilung, die intern als „dm-Gang“ bezeichnet wird und sich gestalterisch bewusst vom klassischen Lidl-Farbkonzept abhebt.
Neben dem vollständigen Umbau setzt Lidl auch auf eine abgespeckte Variante des neuen Filialkonzepts. Diese sogenannte Light-Version kommt mit weniger neuen Möbeln aus und ermöglicht deutlich kürzere Umbauzeiten. In Crailsheim konnte die Umstellung innerhalb einer Woche abgeschlossen werden, während ein Komplettumbau erheblich mehr Zeit und Aufwand erfordert.
Mit dem Filialkonzept 2025 verfolgt Lidl nach Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens das Ziel, seinen Marktauftritt grundlegend weiterzuentwickeln. Das Design wurde maßgeblich von der Lidl Stiftung erarbeitet und soll mit Anpassungen auch international ausgerollt werden. Eine Ausnahme bleibt bislang die Nonfood-Filiale im südbadischen Lottstetten an der Schweizer Grenze, die weiterhin als eigenständiges Konzept gilt.
