LEH unter Beschuss durch Hacker-Aktivität

30. Dezember 2021 - Nicht nur wegen dem Chaos mit den Lieferketten im Zusammenhang mit den Maßnahmen der Corona-Pandemie war das Jahr für die IT-Abteilungen der Lebensmitteleinzelhändler stressig. Dazu kommt noch, dass die Unternehmen eine Rekord-Anzahl an immer besser durchdachten Cyber-Angriffen abzuwehren hatten. Das gelang leider nicht immer.

Quelle: Arget/unsplash.com

Eindrucksvoll zeigt das der Fall Tegut: Die Migros-Tochter meldete im April, dass sie Opfer eines Hacking-Angriffs geworden sei. Die Folge waren teils deutliche Lücken in den Regalen des Händlers. Außerdem: Zahllose Kunden- und Firmendaten haben ihren Weg ins Darknet gefunden. Tegut wurde von den Hackern erpresst, ergab sich jedoch nicht: „Wir leisten kriminellen Machenschaften keinen Vorschub und lassen uns auf keine Verhandlungen mit Kriminellen ein“, kommentierte Geschäftsführer Thomas Gutberlet zu dem Sachverhalt.

Ein weiterer für Aufsehen sorgender Fall war der Angriff auf Media-Saturn im Herbst. Die Attacke störte die Kassensysteme und sorgte zu Scherereien beim Click & Collect-Service. Es soll ebenfalls zu einem Erpressungsversuch in Millionenhöhe gekommen sein. Coop in Schweden macht wohl ähnliche Erfahrungen und war ein paar Tage lang mit blockierten Kassen konfrontiert. Die Märkte wurden daraufhin gleich komplett zugelassen. Insgesamt 11 Mio. US-Dollar Lösegeld bezahlte wohl der brasilianische Fleischkonzern JBS. Im Juni konnten Angreifer zwei Schlachthöfe auf zwei Kontinenten lähmen. Es ist der bisher höchste bezahlte Lösegeld-Betrag, der bekannt gemacht wurde.

Cyber-Angriffe kommen immer häufiger vor. Häufig sind veraltete IT-System maßgeblich schuld, in einigen Fällen sind es aber auch schlicht ungeschulte Mitarbeiter, die versehentlich Zugänge für Hacker ermöglichen. Insgesamt wird der Schaden durch Erpressung, Spionage und Sabotage in der deutschen Wirtschaft durch Cyber-Angriffe auf 223 Mrd. Euro geschätzt. Damit hat sich dieser Wert in Vergleich zu 2018/19 verdoppelt.