Lebensmittelhandel setzt auf günstiges Bio

19. April 2024 - Der Lebensmittelhandel (LEH) intensiviert seine Bemühungen, das Bio-Segment durch aggressive Preisstrategien und Rabatte auszubauen. Dabei spielen insbesondere Discounter eine zentrale Rolle. Mit Aktionen, die Preisnachlässe von 10 bis über 40 Prozent auf ökologische Produkte bieten, sollen neue Kundenschichten erschlossen werden.

Quelle: nrd/unsplash.com

Discounter wie Aldi, Lidl und Netto treiben diese Entwicklung voran, indem sie ihre Bio-Eigenmarken zu besonders niedrigen Preisen anbieten. Aktuell bewirbt Aldi Süd seine neue Marke "Nur Nur Natur" mit bis zu 33 Prozent Rabatt, die Bio-Produkte in Verbandsqualität umfasst. Auch Lidl setzt auf hohe Rabatte und wirbt mit 44 Prozent Preisnachlass auf Bio-Käse. Diese Aktionen zielen darauf ab, Bio-Produkte für eine breitere Kundenschicht zugänglich zu machen und das Image von Bio als teurem Luxusartikel zu ändern.

Die Strategie der Discounter hat dazu geführt, dass Bio-Eigenmarken inzwischen 56 Prozent des Bioumsatzes im LEH ausmachen. Doch diese Fokussierung auf Niedrigpreise und Rabatte stößt nicht überall auf Zustimmung. Viele Landwirte und Anbauverbände kritisieren, dass diese Preisstrategien den Wert von Bio-Produkten untergraben und die Erwartungen der Kunden an immer günstigere Preise senken.

„Es ist problematisch, dass der LEH durch ständige Aktionen die Preiserwartungen der Kunden nach unten schraubt", erklärt ein Manager eines Anbauverbandes. Diese Entwicklung könnte langfristig das Vertrauen in Bio-Produkte und deren Wert mindern. Klemens Fischer, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Akademie Schloss Kirchberg und ehemaliger Vorstand des Premium-Anbauverbandes Demeter, plädiert im Interview für ein intelligentes Pricing.

„Der LEH sollte vermeiden, die Preiseinstiegsschwellen weiter nach unten zu ziehen", betont Fischer. Stattdessen wäre es sinnvoller, Rabatte im Premiumsegment zu gewähren. Aktionen auf höherpreisige Bio-Waren würden die Landwirte weniger stark belasten und gleichzeitig die Kundenbindung stärken.

Fischer spricht sich zudem dafür aus, das Premium-Bio-Geschäft auszubauen. Er argumentiert, dass Vollsortimenter und Fachhändler eine Verantwortung haben, die Kunden zu hochwertigen Bio-Produkten zu führen. Eine weitere Möglichkeit zur Förderung des Bio-Segments sieht er darin, konventionelle B- und C-Artikel durch Bio-Alternativen zu ersetzen.

Die aktuelle Marktdynamik zeigt, dass der LEH einen erheblichen Einfluss auf die Preisgestaltung und die Wahrnehmung von Bio-Produkten hat. Während die Discounter versuchen, durch niedrige Preise und Rabatte Marktanteile zu gewinnen, bleibt die Herausforderung bestehen, den Wert von Bio-Produkten zu bewahren und gleichzeitig das Wachstum im Bio-Segment nachhaltig zu fördern.