Laut dem Hahn Retail Real Estate Report erwarten rund 50 Prozent der befragten Einzelhändler im zweiten Halbjahr positive Entwicklungen und Zuwächse. Besonders auffällig ist dabei, dass 83 Prozent der Lebensmittelhändler weiterhin in ihr Geschäft investieren möchten. Dabei spielen nicht nur der Ausbau von Filialen, sondern auch die Entwicklung von neuen Services und die Implementierung von Kundenbindungsprogrammen eine zentrale Rolle. Gleichzeitig wird jedoch auch deutlich, dass eine Expansion in vielen Fällen mit einer Neuausrichtung der Standorte einhergeht. Die Zahl der Lebensmittelstandorte ist über die Jahre hinweg zwar tendenziell rückläufig, dennoch zeigt sich bei den verschiedenen Formaten eine unterschiedliche Dynamik.
Während die Anzahl der Discounter weitgehend stabil bleibt, verzeichnet der Lebensmitteleinzelhandel einen markanten Rückgang bei den Supermärkten – rund 700 Filialen sind seit 2021 geschlossen worden. Auf der anderen Seite belegen Verbrauchermärkte und Drogerien zunehmend mehr Fläche. Besonders das Format der SB-Warenhäuser verliert weiterhin an Bedeutung, obwohl Thomas Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender der Hahn AG, nicht das Ende dieses Formats verkünden möchte. Er sieht nach wie vor Potenzial für die Großfläche, betont jedoch, dass sich die Betreiber Gedanken über ihre Sortimentsstrategie machen müssen, um für die Kunden weiterhin relevant zu bleiben. Eine mögliche Lösung könne die Aufteilung der Flächen und die Ansiedlung von spezialisierten Händlern sein.
Trotz dieser Veränderungen zeigen die meisten bedeutenden Lebensmittelhändler in Deutschland eine positive Umsatzentwicklung pro Quadratmeter. Mit Ausnahme von Kaufland, das nach der Integration der Real-Märkte eine Wachstumsbremse erfährt, konnten alle anderen Marktteilnehmer ihren Umsatz steigern. Netto Markendiscount, Teil der Edeka-Gruppe, konnte den Umsatz sogar um 2,7 Prozent auf 17,6 Milliarden Euro steigern. Kaufland, das als Teil der Schwarz-Gruppe weiterhin einen wichtigen Akteur darstellt, steht jedoch unter Druck und hofft auf eine Wende unter der Leitung des neuen Deutschland-Chefs Stefan Hoppe.
Die Immobilienwirtschaft zeigt erste Anzeichen einer Erholung. Investoren, insbesondere institutionelle Kapitalgeber, beginnen wieder vermehrt Immobilien zu kaufen. Der Rückgang der Kaufpreise für Handelsimmobilien hat hier eine wichtige Rolle gespielt. In den Jahren des Booms wurden für gut gelegene Immobilien mit Lebensmittelhändlern als Ankermieter noch bis zum 22-fachen der Jahresnettokaltmiete bezahlt. Heute liegen die Preise etwa drei bis vier Jahresmieten darunter, was für Investoren ein attraktiveres Umfeld bietet. Auch ausländische Investoren richten ihr Augenmerk wieder stärker auf den deutschen Markt.
Fachmarktzentren, die einen zentralen Bestandteil der Grundversorgung darstellen, sind bei Investoren derzeit besonders gefragt. Sie rangieren vor Supermärkten und Discountern und bieten eine stabile Grundlage für langfristige Investitionen. Dennoch betont Joseph Frechen von Bulwiengesa, dass Eigentümer von Handelsimmobilien in Zukunft noch stärker auf regionale Unterschiede in der Kaufkraft achten müssen. Insbesondere im Westen Deutschlands gibt es Städte, deren Kaufkraft unter der im Osten des Landes liegt. Diese Unterschiede müssen beim Standortmanagement berücksichtigt werden, um auch in der Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Lebensmitteleinzelhandel trotz einiger Herausforderungen weiterhin eine wichtige Wachstumsbranche bleibt. Lebensmittelhändler investieren nicht nur in neue Filialen und Services, sondern setzen zunehmend auf die Erweiterung von Fachmarktzentren, die als stabile und langfristige Investitionsobjekte gelten. Die sinkenden Kaufpreise für Handelsimmobilien, kombiniert mit einer sich stabilisierenden Nachfrage, schaffen ein interessantes Marktumfeld für Investoren. Für die Zukunft bleibt abzuwarten, wie sich die verschiedenen Handelsformate weiterentwickeln und welche Rolle Fachmarktzentren sowie spezialisierte Handelskonzepte dabei spielen werden.
