Lebensmittelhändler investieren verstärkt in die Erneuerung ihrer Standorte

02. Januar 2026 - Die deutschen Lebensmittelhändler sehen weiterhin Entwicklungsspielräume im Markt. Zwar gibt es regional noch Potenzial für zusätzliche Verkaufsflächen, der klare Schwerpunkt liegt jedoch auf der qualitativen Weiterentwicklung der bestehenden Filialnetze. Durch Modernisierungen, neue Formate und digitale Angebote wollen die Unternehmen ihre Standorte zukunftsfähig aufstellen und zusätzliche Umsätze generieren.

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Vor diesem Hintergrund entscheiden sich viele Händler bewusst dafür, vorhandene Flächen zu optimieren, statt primär auf großflächige Expansion zu setzen. Eine Ausnahme bildet Norma. Der Discounter sieht sich nach eigenen Angaben als einziges Unternehmen seiner Branche, das in Deutschland noch nennenswerte „weiße Flecken“ identifiziert. Entsprechend prüft Norma weitere Standorte, betont jedoch, dass neue Filialen nur dann realisiert werden, wenn eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit gegeben ist.

Parallel zur Flächenentwicklung sieht Norma auch im Sortiment zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten. Insbesondere die Weiterentwicklung und Modernisierung der Eigenmarken spielt dabei eine zentrale Rolle. Ergänzt wird dieser Ansatz durch digitale Angebote, etwa die unternehmenseigene App, mit der Kundenbindung und Zusatzumsätze gestärkt werden sollen.

Bei der Rewe Group steht die Optimierung des Bestandsnetzes klar im Vordergrund. Konzernchef Lionel Souque verweist darauf, dass Wachstum zunehmend aus Effizienzsteigerungen und innovativen Konzepten resultiere und nicht allein aus zusätzlicher Verkaufsfläche. Rewe investiert daher intensiv in die Modernisierung bestehender Märkte, den Ausbau von Convenience-Formaten sowie in Online- und Lieferangebote. Weitere Umsatzimpulse erwartet Souque von digitalen Services, starken Eigenmarken, regionalen Sortimenten und dem Frischebereich. Zwischen Anfang 2024 und Ende 2025 wurden nach Unternehmensangaben rund 100 neue Filialen eröffnet, womit Rewe bundesweit inzwischen etwa 3.800 Märkte betreibt.

Auch die großen Discounter setzen parallel auf Expansion und qualitative Weiterentwicklung. Bei Aldi Nord bleibt der Ausbau des Filialnetzes ein zentraler Bestandteil der Strategie. Deutschland-CEO Felix Rottmann betont, dass zusätzliche Standorte weiterhin wichtig seien, gleichzeitig aber gezielt und effizient nachverdichtet werde. Pro Jahr würden im Schnitt mehr als 100 Maßnahmen zur Optimierung des bestehenden Netzes umgesetzt. Mehr als die Hälfte der rund 2.200 Aldi-Nord-Filialen in Deutschland ist bereits modernisiert.

Lidl verfolgt ebenfalls einen kombinierten Ansatz aus Wachstum und Qualitätssteigerung. Ende 2025 verfügte der Discounter über 3.275 Filialen und erreichte damit wieder eine Größenordnung wie zuletzt im Jahr 2012. Zusätzlich hat Lidl ein neues Filialkonzept angestoßen, das ab 2026 in einer hohen zweistelligen Anzahl von Märkten umgesetzt werden soll.

Kaufland treibt seine Expansion insbesondere in urbanen Räumen weiter voran. Für 2026 ist die Eröffnung der ersten Filiale in Gelsenkirchen geplant, womit das Unternehmen nach eigener Aussage in allen größeren deutschen Städten vertreten sein wird. Der Großflächendiscounter der Schwarz-Gruppe hat in den vergangenen Jahren zahlreiche ehemalige Real- oder Globus-Standorte übernommen und unter eigener Marke neu positioniert. Allein im letzten Jahr kamen rund 20 neue Filialen hinzu. Als wesentliche Umsatztreiber nennt Kaufland – ähnlich wie viele Wettbewerber – den Ausbau von Frische- und Bedientheken, eine stärkere regionale Ausrichtung, leistungsfähige Eigenmarken sowie digitale Services.

Insgesamt zeigt sich: Die Lebensmittelhändler richten ihre Investitionen zunehmend auf die qualitative Weiterentwicklung ihrer Immobilien. Moderne Konzepte, effiziente Flächen, digitale Ergänzungen und ein klares Profil am Standort stehen im Mittelpunkt, während Expansion gezielt und standortabhängig erfolgt.