Sam Altman, CEO von OpenAI und Mitbegründer von ChatGPT, betont, dass KI nicht nur positive Effekte haben wird. Die Gesellschaft müsse sich auf potenzielle negative Auswirkungen wie Cyberkriminalität, Wahlmanipulation und soziale Ungleichheiten vorbereiten. Dennoch zeigt sich ein wachsendes Interesse an KI bei Händlern und Herstellern, die auf Umsatzsteigerungen, geringere Abschriften, effizientere Logistikprozesse und eine stärkere Kundenbindung hoffen.
Eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt, dass 50 Prozent der befragten Händler den Einsatz von KI-Technologien für ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit als entscheidend betrachten. Dennoch setzen derzeit nur 9 Prozent Generative KI ein, während 15 Prozent Pilotprojekte betreiben und weitere 9 Prozent normale KI-Implementierungen planen. Ein Drittel der Händler glaubt, dass KI helfen könnte, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Peter Gentsch, Professor für Internationale Betriebswirtschaft an der Hochschule Aalen, betont in einem Whitepaper zum Thema Generative KI (Gen KI) im Handel den dringenden Handlungsbedarf. Er weist darauf hin, dass große Unternehmen bereits mit Gen KI experimentieren und sie schrittweise in ihre Prozesse integrieren, während viele mittelständische Unternehmen noch zögern. Gentsch warnt, dass diese Zurückhaltung zu einem Wettbewerbsnachteil führen könnte, da innovative Strategien und Vorschläge, die durch Gen KI generiert werden, diesen Unternehmen nicht zur Verfügung stehen werden.
Holger Hürtgen, Handelsexperte bei McKinsey, prognostiziert, dass 2024 ein Jahr der Skalierung von KI-Technologien wird. Er glaubt, dass die Technik bereits sehr ausgereift ist und in den nächsten zehn Jahren massive Veränderungen bewirken wird. McKinsey schätzt, dass die Produktivitätsgewinne im globalen Handel durch KI zwischen 240 und 390 Milliarden US-Dollar betragen könnten, was etwa einem Zehntel der deutschen Wertschöpfung im Jahr 2023 entspricht. Besonders im Bereich der Kundeninteraktion sieht Hürtgen großes disruptives Potenzial, sowohl in Callcentern als auch durch personalisierte Angebote im E-Commerce.
Kritiker befürchten hingegen, dass KI zu massiven Jobverlusten führen könnte. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat ermittelt, dass bereits mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze durch Computertechnologie ersetzt werden könnten. Besonders betroffen seien hochqualifizierte Arbeitskräfte, deren Tätigkeiten zunehmend digitalisiert werden. Diese Entwicklungen könnten jedoch nicht zwangsläufig zu Massenentlassungen führen, wie Georg von Richthofen vom Alexander-von-Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft betont: "Menschen fällen Entscheidungen, Menschen zu entlassen, nicht die KI."
In der FMCG-Industrie, der Logistik und im Handel sind bereits heute 50 bis 66 Prozent der Tätigkeiten durch KI und digitale Technologien substituierbar. In Bereichen wie Unternehmensführung und Organisation liegt dieser Anteil sogar bei über zwei Dritteln. Angesichts von etwa 120.000 offenen Stellen im Handel könnte dies eine Chance darstellen. Daher experimentieren einige Händler bereits intensiv mit KI-Anwendungen auf der Fläche, im Backoffice sowie in der Lieferkette und Logistik.
Die kommenden Seiten zeigen Beispiele aus der Praxis und beleuchten, wie erste Unternehmen KI bereits erfolgreich integrieren.
