Konsolidierung im Eilverfahren bei den Schnelllieferdiensten

03. Juni 2022 - In der hart umkämpften Branche der Schnelllieferdienste kommt es momentan zu einer Konsolidierung im Eilverfahren. Investoren und Aktionäre sind momentan verunsichert, inwiefern sich mit dem Geschäftsmodell wirklich Geld verdienen lässt. Entsprechend droht einigen Startups bald das Geld auszugehen. Vor allem die kleineren Anbieter stehen teilweise kurz vor dem Aus. Beispielsweise hat Grovy aus Frankfurt mittlerweile Insolvenz angemeldet und das Geschäft von Wuplo pausiert.

Quelle: Jonas Allert/unsplash.com

Es ist schwieriger geworden an frisches Geld heranzukommen. Erst kürzlich ist eine Finanzierungsrunde bei Bringman gescheitert. Selbst die Branchen-Schwergewichte müssen sich warm anziehen. Gorillas und Getir haben sich erst vor Kurzem von mehreren hundert Angestellten getrennt. Seit Längerem spekulieren Marktbeobachter schon, dass es wohl am Ende nur Platz für zwei bis drei Anbieter im Markt gibt. Bis dieses Equilibrium erreicht ist, heißt es durchhalten und nur wer über genügend Geldreserven verfügt, wird durchhalten können.

Die Investoren scheinen mittlerweile genug zu haben. Bisher konnten nur rote Zahlen produziert werden und es ist noch kein Ende in Sicht. Selbst mit vollem Fokus auf die Optimierung der logistischen Kosten sind die besten Akteure wohl immer noch Jahre von der Profitabilitätszone entfernt. Bis dahin versuchen die Unternehmen engagiert die Kosten zu senken, um den Investoren zumindest den guten Willen zu beweisen. Ein großes Problem ist die logistische Organisation der Versorgungskette. Das Erreichen einer Profitzone wird am richtigen Ausbalancieren dieses Hebels nicht vorbeikommen. Dabei helfen könnten vor allem Kooperationen mit dem bereits bestehenden Lebensmitteleinzelhandel. 

Eine solche Kooperation hat sich beispielsweise Flink mit Rewe gesichert. Auch Gorillas sucht händeringend nach strategischen Partnern. In Deutschland wird der Berliner Quick-Commerce-Anbieter ab dem 10. Juni Produkte von Alnatura vertreiben. Die aktuellen Unsicherheiten beschränken sich jedoch nicht nur auf die Quick-Commerce-Branche. Generell herrscht seit mehreren Wochen eine gehörige Skepsis gegenüber dem gesamten Tech-Bereich. PayPal ist beispielweise nur noch die Hälfte wert und die Aktie von Netflix ist ebenso abgestürzt wie die von Doordash. Das sich aktuell verändernde Zinsumfeld hilft ebenfalls nicht. Es macht künftige Finanzierungen schwieriger. Aktuell befindet sich Gorillas in einer Finanzierungsrunde, deren Ergebnis mit Spannung vom Wettbewerb erwartet wird.