Nach Angaben von Kaufland verfolgt das Unternehmen das Ziel, die medizinische Versorgung an seinen Standorten sinnvoll zu ergänzen und gleichzeitig neue Lösungsansätze im telemedizinischen Bereich zu erproben. Man sehe „erhebliches Potenzial“ in dem gemeinsamen Konzept mit Sana, heißt es aus dem Unternehmen. Vor Ort betreuen medizinische Fachangestellte sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte. Neben der Organisation der Videosprechstunden übernehmen sie bei Bedarf Blutabnahmen, schreiben EKGs und unterstützen weitere Basisdiagnostik. Für Selbstzahler steht zudem ein kleines Portfolio präventiver Leistungen bereit.
Formal tritt Kaufland an dem Standort als Vermieter auf. Die Kooperation geht jedoch deutlich über ein herkömmliches Immobilienverhältnis hinaus. Der neue Medical Room in Mosbach fungiert als Außenstelle des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ), das Sana zu Jahresbeginn auf dem Gelände der Schwarz-Zentrale in Neckarsulm eröffnet hat. Dieses MVZ bietet den Beschäftigten der Unternehmensgruppen Lidl, Kaufland und weiterer Schwarz-Bereiche sowohl hausärztliche wie arbeitsmedizinische Versorgung. Die Schwarz-Gruppe unterstützt die Einrichtung, indem sie umfangreiche Medizintechnik bereitstellt – bis hin zu Geräten der bildgebenden Diagnostik wie einem MRT. Darüber hinaus existiert bereits ein telemedizinisch angebundenes Angebot für Studierende des Dieter-Schwarz-Campus in Heilbronn.
Durch den Medical Room in Mosbach können nun erstmals auch reguläre Kaufland-Kundinnen und -Kunden auf Leistungen des Sana-MVZ zugreifen. Beide Partner werten den Standort als Testfeld, um das Nutzerverhalten und die Akzeptanz des Angebots zu analysieren. Auf dieser Grundlage soll später entschieden werden, ob eine Ausweitung des Konzepts auf weitere Märkte sinnvoll ist. Die technische Lösung sei laut Sana so angelegt, dass sie unkompliziert skaliert werden könne.
Die Wahl des Pilotstandortes fiel auf Mosbach, weil dort im hausärztlichen Bereich regionale Versorgungslücken bestehen – eine Situation, die in der unmittelbaren Umgebung der Schwarz-Gruppe selten, in vielen Regionen Deutschlands jedoch zunehmend Alltag ist. Besonders in ostdeutschen Gebieten ist der Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten bereits deutlich spürbar. Sowohl Kaufland als auch Sana verfügen gerade dort über eine gute infrastrukturelle Basis. Bundesweit betreibt Sana derzeit 58 Kliniken sowie 56 Medizinische Versorgungszentren.
Während Sana insbesondere den Anspruch verfolgt, telemedizinische Leistungen näher in das alltägliche Umfeld der Bevölkerung zu integrieren, dürfte Kaufland auf zusätzliche Kundenfrequenz und einen Mehrwert für die eigene Fläche setzen. Gleichwohl wurde das Angebot bewusst so gestaltet, dass Arztbesuch und Einkauf zeitlich getrennt bleiben: Im Wartebereich sind daher keine Einkaufswagen vorgesehen, da man annimmt, dass der Einkauf üblicherweise erst nach dem Arzttermin erfolgt.
