Marie Sauer, die im Unternehmen den Bereich Innovation und Geschäftsmodelle verantwortet, erläuterte das Vorgehen kürzlich im Branchenpodcast „Retail o-Tones“. Zentrales Ziel des Hubs sei es, die Zusammenarbeit mit Startups niederschwellig und effizient zu gestalten. Interessierte Unternehmen können ihre Lösungen über ein Online-Formular einreichen. Nach positiver Erstbewertung erfolgt die Testung in realitätsnahen Umgebungen, die speziell für diesen Zweck konzipiert wurden. Bewährt sich eine Lösung dort, wird ein Pilotprojekt in einer regulären Filiale gestartet – ein stufenweises Verfahren, das sowohl die technische Tauglichkeit als auch die betriebliche Einbindung sicherstellen soll.
Ein weiteres Element der Innovationsstrategie betrifft den innerbetrieblichen Wissenstransfer. Über regelmäßige interne Formate – sogenannte „DigiTalks“ – werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über aktuelle Entwicklungen informiert und erhalten Einblicke in neue Technologien sowie deren Nutzen im Arbeitsalltag. Damit will Kaufland nicht nur die Akzeptanz für Innovationen stärken, sondern gezielt Kompetenzen im Unternehmen aufbauen. Laut Sauer ist dies ein entscheidender Hebel, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Erste Erfolge zeigen sich bereits: Auf der diesjährigen Grünen Woche präsentierten drei ausgewählte Startups ihre Ideen am Stand von Kaufland – alle mit Fokus auf gesunde Ernährung. Mit einem dieser Unternehmen laufen derzeit Gespräche für einen möglichen „Proof of Concept“, was laut Sauer die Relevanz und Umsetzungsstärke des neuen Formats unter Beweis stellt.
Langfristig möchte Kaufland die Innovationsarbeit mit messbaren unternehmerischen Erfolgen verknüpfen. Damit soll auch belegt werden, welchen konkreten Beitrag Startups zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells leisten können. Diese unternehmerische Bewertung sei, so Sauer, ein wesentlicher Faktor, um Innovationsinitiativen nachhaltig zu verankern und aus Pilotprojekten belastbare Skalierungspotenziale abzuleiten.
Kaufland ist mit seinem Hub nicht allein. Auch andere große Handelsunternehmen verfolgen ähnliche Strategien. Rewe Digital etwa setzt unter der Leitung von Chief Acceleration Managerin Anika Vooes auf Projekte rund um autonome Märkte und neue Wege im „Venture Clienting“. Die Region Rewe Süd wiederum bietet mit der „Startup Lounge“ ein dreimonatiges Förderprogramm, in dessen Rahmen Food-Startups ihre Produkte in ausgewählten Märkten testen können – begleitet von Coachings und strukturiertem Kundenfeedback. Ziel ist auch hier die mögliche Integration in das reguläre Sortiment.
Die wachsende Anzahl solcher Initiativen zeigt deutlich: Der Einzelhandel befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Agilität, Schnelligkeit und Praxisnähe gelten inzwischen als zentrale Erfolgsfaktoren bei der Integration innovativer Technologien. Kaufland leistet mit seinem strukturierten, auf Skalierbarkeit ausgerichteten Innovationsansatz einen aktiven Beitrag zur Modernisierung der Branche.
