Kaufland erprobt kompakteres Marktformat in Tschechien

19. Dezember 2025 - Mit einer deutlich kleineren Verkaufsfläche als üblich testet Kaufland in Tschechien ein neues Filialkonzept. In Böhmen hat die Schwarz-Sparte eine Pilotfiliale eröffnet, die als Antwort auf veränderte Einkaufsgewohnheiten der Kunden verstanden wird. Für den tschechischen Markt, dem ältesten Auslandsengagement des Unternehmens, misst Kaufland diesem Format eine besondere Bedeutung für die zukünftige Expansion bei.

Quelle: Kaufland Stiftung & Co. KG/Wikimedia Commons

Der Neubau in Veselí nad Lužnicí kommt auf eine Verkaufsfläche von lediglich 2.245 Quadratmetern. Nach Angaben von Landeschef Sven Reinhard reagiert Kaufland damit auf den Wunsch vieler Verbraucher nach schnellen, effizienten Einkäufen in gut erreichbaren Lagen. Ziel sei es, den Kunden ein vollwertiges Angebot zu bieten, ohne lange Anfahrtswege in Kauf nehmen zu müssen. Reinhard bezeichnet das neue Format vor diesem Hintergrund als wegweisend.

Auch außerhalb Tschechiens wird das Projekt aufmerksam verfolgt. Der heutige COO von Kaufland Deutschland, Heiko Koch, hatte bis zum Sommer noch die Verantwortung für das Tschechien-Geschäft und begleitete die Planung des Standorts somit selbst. In Deutschland liegt die angestrebte Größe für neue Kaufland-Märkte bei rund 4.500 Quadratmetern, während im Bestand weiterhin klassische Großflächen mit mehr als 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche zu finden sind. Unternehmensintern gilt eine Fläche von etwa 2.000 Quadratmetern als untere Grenze für das Kaufland-Format. Eine grundsätzliche Verkleinerung der Märkte in Tschechien ist nach Aussagen aus der Zentrale jedoch nicht vorgesehen.

Trotz der reduzierten Fläche soll der neue Markt die vollständige „Kaufland-Erfahrung“ bieten. Dazu zählt das reguläre Sortiment mit rund 13.000 Artikeln ebenso wie Bedientheken mit regionalen Spezialitäten. Auch Nonfood-Aktionen finden Platz, etwa in Form kleiner Parkside-Präsentationen und wechselnder Aktionsflächen.

Die kompaktere Struktur wirkt sich auch auf den Personalbedarf aus. Der Standort, rund eineinhalb Autostunden südlich von Prag gelegen, wird mit etwa 60 Mitarbeitern betrieben. Aus Sicht von Reinhard zeigt das Projekt, dass eine stärkere Anpassung des Formats an die jeweiligen Standortbedingungen ein möglicher Weg für die zukünftige Entwicklung von Kaufland sein kann.

Technologisch ist die tschechische Filiale auf aktuellem Stand. Self-Scanning, Selbstbedienungskassen sowie Ladepunkte für Elektrofahrzeuge auf dem Parkplatz gehören zur Ausstattung. Mit 173 Stellplätzen fällt der Parkplatz für Kaufland-Verhältnisse vergleichsweise klein aus, was den besonderen Charakter des Standorts unterstreicht. Die Stadt Veselí nad Lužnicí zählt rund 6.500 Einwohner. Bisher war dort vor allem Tesco präsent, das in Tschechien allerdings ebenfalls mit eher kleineren Formaten arbeitet. Ergänzt wird das Wettbewerbsumfeld durch eine innerstädtische Penny-Filiale.

Vor dem Hintergrund, dass die Schwarz-Gruppe mit Lidl bereits einen Discounter betreibt, dessen moderne Filialen häufig um die 1.700 Quadratmeter groß sind, zeigt sich die Kaufland-Zentrale zurückhaltend in der Bewertung des Tests. Zunächst wolle man beobachten, wie sich das Konzept am konkreten Standort bewährt und ob es sich künftig eignet, ausgewählte Mittelstädte in Tschechien zu erschließen. Für den deutschen Markt ist die Einführung eines solchen Kleinformats derzeit nicht geplant.