Oliver Platt, Geschäftsführer bei Arcida, einem Spezialisten für Investments in Projekte und Objekte mit Finanzierungsschwierigkeiten, beobachtet insbesondere bei institutionellen Anlegern eine immer deutlicher zu Tage tretende Zurückhaltung beim Ankauf. Viele Marktbeobachter gehen von sinkenden Preisen aus und Großeinkäufer wie Pensionskassen und Versorgungswerke halten sich momentan zurück, um von eventuell niedrigeren Einkaufspreisen profitieren zu können.
Die steigenden Rohstoffpreise verunsichern viele Investoren. Aktuell verlangen Banken für eine verbindliche Finanzierungszusage eine vertraglich fixierte Baukostensicherheit. Da es immer schwieriger wird so etwas bereitzustellen, müssen viele Projekte abgebrochen oder ausgesetzt werden. Insbesondere für kapitalschwache Entwickler könnte dies problematisch werden, da die Nachforderungen der Baufirmen nicht mehr bedient werden konnten. Entsprechende Projekte landen am Ende wieder bei der Bank.
Momentan werden außerordentlich viele Wertermittlungen bei Immobilien durchgeführt. Insbesondere Fonds überprüfen ihr Portfolio. Taucht irgendwo ein Problem auf, ist die Schwelle sich zu trennen niedrig. Die Strategie vieler Fonds war vor allem auf den späteren Verkauf mit weiter gestiegenen Preisen ausgelegt. Viele Akteure müssen jetzt ihre Strategien anpassen bzw. passende Exit-Strategien formulieren. Entsprechend könnte sich in der näheren Zukunft der heutige Verkäufer-Markt in einen morgigen Käufer-Markt verwandeln. Auch die auslaufenden Corona-Staatshilfen, die ab Mitte diesen Jahres als Geldquelle versickern, werden auf das ein oder andere Unternehmen noch einmal zusätzlichen Druck ausüben.
Unter den unabhängigen Investoren bereitet man sich gerade auf günstige Einkaufsgelegenheiten vor. Deswegen wird gerade so viel Eigenkapital herangeschafft, wie nur möglich ist. Zum Kauf gezwungene Fonds oder an Baukosten gescheiterte Immobilienprojekte können sich als fantastische Chancen für denjenigen entpuppen, der den steigenden Zinsen und sinkenden Preisen vorbereitet begegnet. Die ersten Bereiche der Immobilienbranche hat es bereits spürbar getroffen. Beispielsweise sind die Preise für Top-Büroimmobilien in Berlin im Vergleich zu den Preisen vor der Bau- und Ukraine-Krise um bereits drei bis vier Jahresmieten gesunken.
