Eine Umfrage unter 90 internationalen Asset-Managern, die zusammen Vermögenswerte in Höhe von 830 Milliarden Euro verwalten und vom Fondsverband Inrev befragt wurden, zeigt ein wachsendes Interesse an Investitionen in den europäischen Immobilienmarkt. Vor allem Investoren aus Nordamerika und Asien sind angesichts sinkender Preise bereit, die aktuelle Marktsituation in Europa zu nutzen. Laut Inrev setzen nordamerikanische Investoren zu 56% auf Value-add-Strategien und zu einem Drittel auf opportunistische Fonds. Bei asiatischen Investoren sind die Zahlen ähnlich verteilt - 60% zu 40%. Selbst europäische Investoren sind mutiger geworden und setzen zu 55% auf Value-add, während 36% weiterhin auf Core-Fokus setzen. Insgesamt entfallen dieses Jahr von jedem für europäische Immobilien eingesetzten Euro 79 Cent auf aktive Wertschöpfungsstrategien und nur noch 21 Cent auf Core-Anlagen.
Jedoch bleibt fraglich, ob die europäischen Investoren viel Aktivität zeigen werden. Derzeit sind sie überallokiert mit Immobilien, was bedeutet, dass der Wert ihrer Immobilienanlagen die Zielquote im Portfolio um 67 Basispunkte übersteigt. Inrev-Researcherin Iryna Pylypchuk berichtet, dass 43% der europäischen Investoren ihre Immobilienquote reduzieren möchten, während nur 16% sie erhöhen wollen. Im Gegensatz dazu zeigen sich asiatische Investoren am optimistischsten, wobei 26% von ihnen mehr europäische Immobilien kaufen möchten. Ein Grund für die zurückhaltende Haltung der europäischen Käufer sind die vergleichsweise niedrigen Abschreibungen auf kontinentaleuropäische Immobilien. Während in den letzten fünf Quartalen nur eine Korrektur von 14% vorgenommen wurde, betrug die Korrektur in Großbritannien bereits 22%.
Es ist daher nicht überraschend, dass Großbritannien und Deutschland die Spitzenplätze im Ziel-Ranking für 2024 einnehmen. Das Interesse an beiden Märkten ist deutlich gestiegen, wobei Großbritannien von 50% auf 84% und Deutschland von 54% auf 81% zulegte. Pylypchuk erklärt dies mit der Größe und Liquidität beider Märkte, die sich gut für risikoreiche Strategien eignen. Frankreich, das im letzten Jahr noch genauso beliebt war wie Deutschland, konnte nicht im gleichen Maße zulegen und erreicht jetzt eine Zustimmungsquote von 65%. Das ist fast gleichauf mit den Niederlanden, die von 46% auf 64% gestiegen sind.
Auch das Interesse an Spanien und Italien ist gestiegen, insbesondere in den Bereichen Wohnen und Logistik. Diese beiden Segmente verzeichnen insgesamt die höchsten Zustimmungsquoten der internationalen Investoren. Wohnen führt mit 90%, gefolgt von Logistik mit 87%. Büroimmobilien hingegen verlieren weiter an Attraktivität. Nur noch die Hälfte der Investoren möchte in diesem Segment investieren, während Studentenwohnungen mit 45% kaum beliebter sind.
