Eine Firma wie GPEP tritt als Bestandshalter von Handelsimmobilien auf und nutzt deswegen häufig langfristige Finanzierungen, um das notwendige Geld für den Kauf neuer Immobilien zu bekommen. Burghardt und Fuhr sind sich einig darüber, dass die veränderte Zinssituation Auswirkungen auf die Preise von Handelsimmobilien haben wird. Rückläufige Preise sind bereits zu spüren und entsprechen auch der grundsätzlichen Erwartungshaltung. Nehmen die Zinsen zu, bedeutet das, dass das für den Kauf benötigte Geld von den Banken teurer wird. Die dadurch entstandenen zusätzlichen Kosten mindern die annehmbare Gewinnspanne und entsprechend müssen potenzielle Käufer aus Rentabilitätsgründen schneller einen Rückzieher machen. Das führt generell zu einer geringeren Nachfrage, die sich in reduzierender Weise auf die Immobilienpreise auswirkt.
Die Zinsen sind jedoch nicht das Einzige, was momentan an den Preisen der Immobilien zehrt. Grundsätzlich führen die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine zu einer erhöhten Unsicherheit bei potenziellen Investoren. Viele Marktteilnehmer reagieren entsprechend zurückhaltender, was sich ebenfalls in Form einer schwächeren Nachfrage spiegelt. Auch das Thema der Lieferkettenprobleme und der damit verbundenen Steigerung der Rohstoffpreise macht den Entwicklern momentan das Leben schwer. Die meisten bestehenden Kalkulationen müssen über den Haufen geworfen werden.
Da aktuell die Inflation eine immer prominentere Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung einnimmt, ist es nicht überraschend, dass sie ebenfalls für die Preisevaluation von Handelsimmobilien relevant ist. Dabei sind vor allem die vertraglichen Indexregelungen maßgeblich. Umso mehr indexfreie Jahre vereinbart sind, umso mehr tut es momentan auf Seiten des Eigentümers weh. Entsprechend ist es besonders bei neuen Vertragsabschlüssen für beide Vertragsparteien wichtig, ein besonderes Auge auf die Indexvereinbarungen zu werfen. Gleichzeitig könnten Objekte, die bereits ihre indexfreien Jahre abgesessen haben, einen höheren Preis erzielen, da mit baldigen Mietanpassungen zu rechnen ist.
Insbesondere beim Lebensmitteleinzelhandel bestehen momentan dennoch rosige Zeiten. Während der Corona-Zeit ist gerade dieses Segment als klarer Sieger der Krise hervorgetreten. Die Betreiber haben große Gewinne eingefahren, die nun in zusätzliche Investments fließen werden.
Bei GPEP selbst ist für dieses Jahr einiges geplant. Das Unternehmen möchte insgesamt 250 Mio. Euro an Investitionskapital einsammeln. Dafür wurde ein neuer Lebensmitteleinzelhandels-Fonds aufgelegt, der sich vor allem an Pensionskassen, Versorgungswerke, Banken und Versicherungen richtet. Burghardt ergänzt in diesem Zusammenhang, dass falls im Laufe des Jahres mehrere große Portfolios angeboten werden würden, die Investitionsplanungen schnell auch verdoppelt oder sogar verdreifacht werden könnten.
