H&M's Einfluss auf den Immobilienmarkt

30. September 2021 - Bei der 3-5-1-Konferenz des German Council of Shopping Places (GCSP) ist es zu einer kuriosen Zusammensetzung bei einer Podiumsdiskussion gekommen. Zum einen saß da Edgar Rosenberger, der erste H&M-Chef für Deutschland, zum anderen sein Nach-Nach-Nachfolger Thorsten Mindermann, der mittlerweile seit 2005 den obersten Posten bei H&M in Deutschland innehält.

Quelle: H&M/hm.com

Die beiden führten einen interessanten Dialog über Unternehmenskultur und inwiefern eine Marke richtig in einem neuen Markt platziert werden kann. Rosenberger fasst beispielsweise eine Erkenntnis aus 40 Jahren H&M Deutschland zusammen: „Schweden ist Kleiderland, Deutschland ist Hosenland“.

Edgar Rosenberg schrieb in den späten 1970er Jahren einen Brief an den H&M-Boss Erling Persson. Anscheinend fand er den richtigen Ton, denn die Folge war, dass er mit lediglich 27 Jahren zum ersten H&M-Chef in Deutschland wurde. Entsprechend ist es Rosenbergers Verdienst, dass sich H&M hierzulande als Modemarke und nicht als Textildiscounter positionierte. Das war ein wichtiger Schritt, der auch nicht unbedingt nahe lag. Schließlich wurde H&M erst 1947 gegründet und hatte bis dato stets über den Preis Konkurrenz geboten. Statt also mit Takko oder Kik um Anteile zu streiten, schaffte sich so H&M seine eigene kleine Nische in Deutschland. Die Bilanz dieser Strategie lässt sich sehen, denn als Rosenberger 1987 H&M verließ, hatten es die Schweden auf 17 Läden gebracht und machten 100 Mio. Euro Umsatz sowie keine Verluste.

Einige Jahre später kommen wir in der Gegenwart an. Heute ist H&M der bedeutendste stationäre Modehändler hierzulande. Insgesamt werden ca. 470 Läden betrieben, die es auf 3,8 Mrd. Euro Umsatz bringen. Allein wegen der schieren Größe ist H&M für den deutschen Immobilienmarkt relevant. Darüber hinaus setzen die Schweden auch noch eigene Trends. Beispielsweise hat das Unternehmen von Anfang an ausschließlich gemietet und nicht gekauft. Die Folge ist ein ewiges Schleifen und Optimieren der berühmten Zehn-Jahres-Mietverträge, die überhaupt erst durch H&M salonfähig gemacht wurden. Ein Grund für die Gestaltungsmöglichkeiten bei den Mietkonditionen ist die Attraktivität von H&M als Marke. Zahllose Vermieter wollen den Modehändler als Mieter für sich gewinnen. So konnte H&M auch den bisher letzten Streich in Sachen Gestaltung der Miete diktieren: der Staffelmietvertrag mit Umsatzkomponente.

In rund 40 Jahren ist Mindermann erst der vierte H&M-Chef in Deutschland. Zunächst folgte auf Rosenberger 1987 Wolfgang Krogmann, der sich anschließend dem Aufbau von Primark in Deutschland widmete. Danach kam Hans Andersson zum Zuge, dem wiederrum 2005 Mindermann an die Spitze folgte. In den rund 16 Jahren unter seiner Führung konnte das Unternehmen noch einmal einen ordentlichen Sprung nach vorne machen. Es kamen rund 200 Läden hinzu und es wurde das E-Commerce-Geschäft eingeführt. Mindermann selbst hat bei H&M in Bremen als Aushilfe begonnen und machte eine Karriere im Konzern. Als er 2005 auf den Chef-Posten befördert wurde, war er gerade einmal 36 Jahre alt.