An traditionellen Tankstellen dominieren nach wie vor bekannte Markenprodukte das Sortiment. Zu den umsatzstärksten Warengruppen zählen Tabakwaren, Getränke, Süßwaren, Snacks, Backwaren, Coffee-to-go-Angebote, Presseerzeugnisse sowie Produkte rund um die Fahrzeugpflege. In diesen Bereichen prägen vor allem etablierte Herstellermarken das Angebot und bestimmen das Impulsgeschäft.
Anders stellt sich die Situation bei modernen Shop-in-Shop-Konzepten dar. Ein Beispiel hierfür sind die Rewe-To-Go-Filialen an Aral-Standorten. Die rund um die Uhr geöffneten Convenience-Shops sind das Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen Aral und der Rewe Group. Inzwischen verfügen knapp 900 Aral-Tankstellen über dieses Konzept. Die Warenversorgung erfolgt überwiegend über den Rewe-Tochterkonzern Lekkerland. Besonders bei frischen Convenience-Produkten wie Salaten, Bowls, Sushi-Angeboten, Sandwiches, Fertiggerichten, Snacks oder Mineralwasser spielen Eigenmarken eine wichtige Rolle.
Neben klassischen Verkaufsaktionen wie Kombinationsangeboten für Kaffee und Backwaren oder Bündelrabatten auf Markenartikel setzt Rewe auch gezielt auf die Vermarktung eigener Markenwelten. Produkte der Linien Beste Wahl, Bio oder To Go werden regelmäßig durch Sonderaktionen unterstützt. Aktuell profitieren Kunden beispielsweise beim Kauf mehrerer Rewe-Eigenmarken von Preisnachlässen. Ergänzend hat Lekkerland speziell für die Zusammenarbeit mit Aral mehrere exklusive Marken entwickelt, darunter Go Fresh für Convenience-Produkte, Mr. Knabbits für salzige Snacks, Quickvit für Eistee sowie Coffee Bean Company für Kaffeeprodukte.
Mit dem weiteren Ausbau der Partnerschaft zwischen Rewe und Aral wächst zugleich die Reichweite dieser Handelsmarken. Ein wichtiger Schritt war die Eröffnung des ersten Rewe-To-Go-Shops an einer Autobahn-Tankstelle auf der Rastanlage Rhynern Nord an der A2. Darüber hinaus sollen zusätzliche Standorte an Bahnhöfen, Flughäfen, Krankenhäusern sowie in Form automatisierter Store-Konzepte entstehen. Parallel dazu betreibt Rewe gemeinsam mit Esso das Format Express, in dem ebenfalls zahlreiche Eigenmarkenprodukte angeboten werden.
Auch an Shell-Stationen ist Lekkerland ein bedeutender Lieferpartner. Im Unterschied zu Aral existiert dort jedoch kein vergleichbares Convenience-Konzept. Der Schwerpunkt liegt vielmehr auf Backwaren, Kaffee und Snacks, die unter den Formaten Shell Café beziehungsweise deli by Shell angeboten werden. Die Backwaren stammen überwiegend vom Großbäcker Kamps, während die Kaffeespezialitäten gemeinsam mit zertifizierten Partnern entwickelt wurden. Eigenmarken finden sich hier lediglich punktuell im Sortiment.
Nach der Übernahme der Total-Tankstellen durch Circle K wird schrittweise ein eigenes Convenience-Konzept umgesetzt. In den Shops sind neben den bekannten Rewe-Marken To Go und Beste Wahl auch Eigenmarken von Lekkerland wie Go Fresh oder Take Off vertreten.
Im Kiosksegment bleibt die Bedeutung klassischer Handelsmarken hingegen vergleichsweise gering. Ursache hierfür sind vor allem die begrenzten Verkaufsflächen. Während traditionelle Kioske häufig lediglich etwa 15 Quadratmeter umfassen, verfügen größere Spätkauf-Konzepte beispielsweise in Berlin meist über rund 30 Quadratmeter oder mehr. Das Sortiment konzentriert sich überwiegend auf stark nachgefragte Impulsartikel wie Tabakwaren, Kaffee, Energydrinks, Getränke sowie Süßwaren. Für umfangreiche Eigenmarkensortimente bleibt daher meist wenig Platz.
Neue Ansätze entstehen dort, wo Handelsunternehmen eigene Kioskformate entwickeln. Rewe eröffnete im April 2025 am Kölner Hauptbahnhof einen eigenen Kiosk mit einem Sortiment von rund 60 Artikeln, darunter auch zahlreiche Eigenmarkenprodukte. Inzwischen wurden weitere Standorte in Köln eröffnet. Frühere Experimente wie das gemeinsam mit Vodafone getestete autonome Snackfahrzeug wurden dagegen eingestellt. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen inzwischen auf Konzepte wie Pick & Go sowie Rewe To Go.
Auch an Bahnhöfen sind Handelsmarken präsent. Nachdem die Deutsche Bahn ihre rund 400 Verkaufsstellen an Betreiber wie Valora und Rewe To Go vergeben hatte, fanden sowohl die Eigenmarken der Schweizer Valora-Gruppe als auch die bekannten Rewe-Marken Einzug in die Sortimente der Standorte.
Edeka verfolgt im Gegensatz zu Rewe kein eigenes Kioskmodell, setzt jedoch verstärkt auf das Format Edeka Express. Rund 400 dieser Convenience-Märkte befinden sich vor allem in Bayern und Norddeutschland. Mit durchschnittlich etwa 300 Quadratmetern Verkaufsfläche konzentrieren sich die Standorte auf Snacks, Backwaren, Getränke, Obst sowie weitere Impulsartikel. Die Märkte befinden sich häufig an hochfrequentierten Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen und Flughäfen. Darüber hinaus kooperiert Edeka mit Jet bei Tankstellen-Shops. Zum Sortiment gehören zahlreiche Eigenmarken, darunter Gut & Günstig, Herzstücke, Bio und Genussmomente.
Ein weiteres Beispiel für ein auf Schnelligkeit und Convenience ausgerichtetes Konzept ist die seit 2022 bestehende Aldi-Filiale am Berliner Checkpoint Charlie. Der rund 650 Quadratmeter große Markt richtet sich insbesondere an Pendler und Touristen. Im Fokus stehen Getränke, Snacks und Backwaren sowie Merchandising-Produkte der Aldi-Markenwelt. Wie im klassischen Discountgeschäft bilden auch hier Eigenmarken den überwiegenden Teil des Sortiments.
Eine besondere Entwicklung zeigt sich im Bereich der Smart Stores. Diese weitgehend automatisierten Verkaufsformate kommen ohne klassisches Kassenpersonal aus und dienen vor allem der wohnortnahen Versorgung in kleineren Gemeinden oder ländlichen Regionen. Anders als Tankstellen oder Kioske konzentrieren sie sich weniger auf spontane Impulskäufe, sondern auf die Versorgung mit Artikeln des täglichen Bedarfs. Neben Lebensmitteln gehören häufig auch Drogeriewaren und regionale Produkte zum Angebot.
Marktführer in diesem Segment ist Tante Enso mit einem Sortiment von rund 3.000 Artikeln. Die Belieferung erfolgt über Rewe beziehungsweise Lekkerland. Neben bekannten Herstellermarken finden sich zahlreiche Rewe-Eigenmarken im Angebot. Ergänzt wird das Sortiment durch regionale Erzeugnisse sowie Produkte kleinerer Lebensmittelhersteller und Start-ups.
Tante M, einer der wichtigsten Anbieter im süddeutschen Raum, führt etwa 1.200 Artikel. Neben bekannten Markenprodukten spielen hier insbesondere die Handelsmarken des Großhändlers Bartels-Langness eine zentrale Rolle. Dazu gehören die Einstiegslinie Jeden Tag, die Qualitätsmarke Hofgut, die Biomarke Biogreno sowie die pflanzenbasierte Marke Veganleben.
Die Teo-Stores, deren Schwerpunkt in Hessen liegt, bieten rund 950 Artikel an. Durch die Belieferung über Edeka finden sich zahlreiche Edeka-Eigenmarken im Sortiment. Gleichzeitig werden die regional bekannten Tegut-Marken wie Daily, Feinstes, Land Primus, Freppy sowie verschiedene Bio-Linien angeboten.
Mit den Konzepten Edeka 24/7 treibt auch Edeka die Entwicklung automatisierter Nahversorgungsangebote voran. Die Standorte in Süd- und Südwestdeutschland führen je nach Format zwischen 300 und 800 Artikel. Neben bekannten Herstellermarken sind die Eigenmarken des Unternehmens fester Bestandteil des Sortiments. Der Lebensmittelhändler plant, diese Konzepte in den kommenden Jahren deutlich auszubauen.
Die Entwicklung zeigt insgesamt, dass Handelsmarken im Convenience- und Smart-Store-Bereich deutlich stärker vertreten sind, als es auf den ersten Blick erscheint. Vor allem dort, wo Händler eigene Konzepte steuern und die Sortimentsgestaltung selbst beeinflussen können, gewinnen Eigenmarken zunehmend an Bedeutung und entwickeln sich zu einem wichtigen Instrument der Kundenbindung und Profilierung.
