Beispiel gefällig? Das 250-Gramm-Päckchen Kerrygold-Butter kostet bei fast allen Händlern 2,89 Euro. Insgesamt ist die Butter damit kurzfristig um 40 Cent teurer geworden. Bei Lidl war sie diese Woche jedoch in der Aktion für 1,29 Euro zu bekommen. Das entspricht einer 55-prozentigen Reduktion des Preises. Die Markenbutter liegt damit sogar 36 Center unterhalb des Preises der Eigenmarke.
Ähnliches lässt sich auch beim Konkurrenten Aldi beobachten. Bekannte Markenartikel erfahren hier ebenfalls Reduktionen um bis zu 50 Prozent, ausnahmsweise sogar noch mehr. Beispielsweise wird nächste Woche Rotkäppchen-Sekt für 2,29 Euro pro Flasche angeboten. Damit setzt der Discounter einen neuen Tiefstwert beim Preis. Dass aktuell Markenware in der Aktion teilweise billiger ist als die Eigenmarken, bestätigt auch Sven Reuter, CEO der Preisplattform Smhaggle.
Die Preiskämpfe finden auch vor dem Hintergrund der aktuell kursierenden Inflationssorgen statt. Die Händler versuchen es für sich nutzbar zu machen und passen entsprechend ihre Marketing-Strategien an. Netto wirbt beispielsweise: „Bei uns hast du die Inflation nicht auf dem Zettel“. Lidl nutzt eine ähnliche Strategie, indem sie einen Preisvergleich zwischen zwei gleichen Einkaufszetteln vorführen. Das Resultat: Der Bon von 2021 ist günstiger als der von 2019. Während die Discounter versuchen die Inflation zu verstecken, ermittelt Destatis für November eine Jahresteuerungsrate für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke in Höhe von 4,6 Prozent.
Insgesamt mussten Konsumenten dieses Jahr öfter mehr bezahlen als gewohnt. Landwirtschaftliche Produkte erlebten beispielsweise erntebedingt einen Preisanstieg von mehr als 16 Prozent bis Oktober. Einige bekannte Marken waren ebenfalls Gegenstand von preislichen Erhöhungen. Beispielsweise stiegen die Preise für Red Bull, Coca-Cola oder auch Milka bei Aldi. Eine parallele Entwicklung lässt sich auch bei den Preisen für Eigenmarken beobachten.
Aktuell laufen die Jahresgespräche mit den Herstellern. In Anbetracht der Preisentwicklung werden es wohl besonders harte Verhandlungen werden. Einige Beobachter am Markt gehen davon aus, dass die Discounter die Gelegenheit nutzen werden, um ihr Preisprofil gegenüber den Vollsortimentern wieder zu schärfen.
