Ein Grund für die fehlende Willigkeit zur Expansion ist bei vielen Gesellschaftern das Problem der Nachfolge. Entsprechend zeigen sich nur wenige der rund 300 Gesellschafter bereit mit zusätzlichen Standorten wachsen zu wollen. Neben einer eventuellen Expansion mit regiegeführten Märkten plant Hagebau mittelfristig auch die Expansion in weitere Auslandsmärkte voranzubringen.
Hagebau hat eine neue Unternehmensstrategie beschlossen. Der als „Soltauer Weg“ getaufte Transformationsprozess soll das Unternehmen künftig weiter voranbringen. Dafür werden zunächst von der Gruppe zwei weitere Top-Manager gesucht, die die Geschäftsführung ergänzen. Konkret handelt es sich dabei um die Position des Marketing- und Vertriebsgeschäftsführers sowie die des Einkaufschefs. Diese sind derzeit noch nicht besetzt. Aktuell besteht die Geschäftsführung nur aus Buck-Emden und Finanzchef Sven Grobrügge.
Als Teil der neuen Strategie ist vorgesehen, dass die Fach- und Einzelhandelssparte miteinander in einer gemeinsamen Dachmarke gebündelt werden. Die meisten der rund 1.000 Fachhandelsstandorte sind bisher für die meisten Kunden gar nicht als Hagebau-Standorte erkennbar. „Der Kunde bekommt also gar nicht mit, wie umfassend und damit marktstark die Hagebau ist“, bemerkt der Aufsichtsratsvorsitzende Johannes Schuller. Für die Fachhändler würde das bedeuten, dass sie künftig neben ihrem eigenen Logo auch das neue Hagebau-Logo an ihren Fassaden anbringen müssten. Die endgültige Umsetzung der Dachmarke ist noch nicht beschlossen. Für Ende Juni ist die Entscheidung der Gesellschafter erwartet. Insgesamt muss die Änderung mit einer 75-prozentigen Mehrheit beschlossen werden. Bei Hagebau geht man davon aus, dass die Umsetzung der Dachmarke besonders für die Fachhandelsstandorte lukrativ wäre. Es werden mit Umsatzzuwächsen von 3 bis 15 Prozent gerechnet.
Neben der kleinen ästhetischen Veränderung in der Außenwahrnehmung soll sich vor allem innerhalb der Fachhandelsstandorte etwas ändern. Insgesamt ist geplant, dass das Sortiment mit deutlich mehr Eigenmarken bestückt werden soll. Sowohl für die Fachhandels- wie auch Einzelhandelsstandorte streben die Soltauer eine Eigenmarkenquote von 50 Prozent an. Damit soll das Einkaufsvolumen der Eigenmarken von momentan rund 70 Mio. Euro auf bis zu 400 Mio. Euro erhöht werden.
Bei solchen Entscheidungen geht es vor allem darum bessere Einkaufskonditionen zu bekommen und gegenüber den Lieferanten als verlässlicher und starker Abnahmepartner aufzutreten. Mittlerweile werden Einkaufsmengen zwischen den beiden Handelssparten gebündelt. Von dem gesamten im „Soltauer Weg“ festgelegten Einsparpotenzial sind mittlerweile schon 30 Prozent umgesetzt. Mit der Umsetzung aller Maßnahmen wird ein zweistelliger Millionenbetrag eingespart.
Hagebau hält sich mit mutigen Prognosen zurück. Angesichts des aktuellen Krieges in der Ukraine sind genaue Wachstumsprognosen ohnehin schwer abzuschätzen. Momentan geht man in Soltau von einem moderaten, marktüblichen Wachstum für 2022 aus. Letztes Jahr konnte der Gesamtumsatz um 3 Prozent auf 6,9 Mrd. Euro (netto) gesteigert werden. Dabei fiel die Einzelhandelssparte um 4,4 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro, während das starke Fachhandelsgeschäft 2021 mit 4,8 Mrd. Euro rund 6 Prozent mehr umsetzte als noch im Vorjahr.
