Händler transformieren ihre Online-Präsenzen zu Marktplätzen

12. April 2024 - Die Handelslandschaft erlebt eine signifikante Veränderung, da mehr Einzelhändler ihre Online-Shops zu Marktplätzen umstrukturieren, um eine breitere Produktpalette anzubieten und höhere Gewinne zu erzielen. Kaufland und Otto gehören zu den Einzelhändlern, die diese Strategie aggressiv vorantreiben, um im hart umkämpften Online-Handel bestehen zu können.

Quelle: Markus Spiske/unsplash.com

Kaufland hat die Eröffnung neuer Online-Marktplätze in Polen und Österreich angekündigt, einem Markt, in dem das Unternehmen bisher keine physischen Standorte hatte. Diese Erweiterung ist Teil einer größeren Strategie, um das Marktplatzgeschäft zu stärken, das laut Branchenexperten deutlich schneller wächst als der traditionelle Onlinehandel. Georg Sobczak, DACH-Chef von Mirakl, einem Dienstleister für Marktplatztechnologien, erklärt: „Marktplatzgeschäfte bieten breitere Produktangebote und erzeugen höhere Gewinne, da der Plattformbetreiber kein Lagerhaltungsrisiko trägt.“

Der Trend zur Marktplatzerweiterung wird durch die steigenden Umsätze gestützt, die über solche Plattformen generiert werden. Aktuellen Studien zufolge entfallen über 53 Prozent des Onlineumsatzes auf Marktplätze. Einzelhändler wie Mediamarkt-Saturn und Otto haben erkannt, dass Marktplätze nicht nur hohe Umsätze generieren, sondern auch profitabler sind als der traditionelle Onlinehandel. Mediamarkt-Saturn erzielt bereits 130 Millionen Euro an Bruttoverkaufsvolumen durch sein Plattformgeschäft.

Die Otto-Gruppe hat ebenfalls ihren Fokus auf den Ausbau ihres Marktplatzgeschäfts gelegt, das mittlerweile ein Drittel ihrer Gesamterlöse ausmacht. Um weiter zu wachsen, öffnet Otto seinen Marktplatz nun auch für europäische Lieferanten, die keine deutsche Umsatzsteuernummer besitzen. Diese Öffnung zielt darauf ab, das Sortiment zu diversifizieren und mehr internationale Produkte anzubieten.

Obwohl die Expansion in den Marktplatzbereich viele Vorteile bietet, warnt Sobczak vor einer unausweichlichen Konsolidierung in der Branche. „Es wird nicht unendlich viele Marktplätze geben können“, erklärt er. Langfristig werden nur die stärksten Plattformen überleben, ähnlich wie es Amazon in den USA demonstriert hat. Amazon generiert beeindruckende Umsätze durch sein Marktplatzgeschäft, das doppelt so schnell wächst wie sein direkter Handel.

Die Transformation traditioneller Online-Shops zu umfassenden Marktplätzen markiert einen wesentlichen Wandel in der Handelsbranche. Diese Strategie erlaubt es Einzelhändlern, ihre Angebotspalette zu erweitern, neue Einnahmequellen zu erschließen und sich in einer zunehmend digitalisierten Welt erfolgreich zu behaupten.